Berlin : Kraft der Gedanken

Ohne Arznei gegen Migräne – „Biofeedback“

Ingo Bach

Den Kampf gegen eine Migräne-Attacke kann man auch ohne Medikamente gewinnen. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft empfiehlt unter anderem ein Verfahren, das mit Gedankenkraft erreicht, was viele Arzneien zum Ziel haben: dass die Blutgefäße im Kopf sich zusammenziehen. Das mildert den quälenden Schmerz. Denn die plötzliche Erweiterung der Gefäße kurz vor einer Migräne aktiviert Schmerzrezeptoren und verstärkt die Beschwerden.

„Biofeedback“ heißt die Methode, mit der Migräne-Patienten ihre Willenskraft trainieren. Mit Hilfe von Sensoren, die am Kopf angebracht werden, und der Umsetzung der empfangenen Daten auf einem Computerbildschirm, kann der Arzt den Durchmesser der Blutgefäße sichtbar und sogar „fühlbar“ machen – zum Beispiel über die Darstellung eines sich verengenden Kreises auf dem Monitor. Oder durch an- oder abschwellende Töne. Die Experten sagen: Sobald Funktionen wahrnehmbar geworden sind, könne man sie auch beeinflussen – denn, und das ist Allgemeinwissen: Die Psyche beeinflusst den Körper. Studien zeigen: „Bei zwei Drittel der Migränepatienten erreichen wir eine den Arzneien gleichwertige Schmerzlinderung bei einem akuten Anfall“, sagt Jörg Heuser vom Vorstand der Deutschen Biofeedback-Gesellschaft.

Im Detail funktioniert das so: Der Sensor am Kopf des Patienten registriert die Durchblutung der Schläfenarterie. Je mehr Blut fließt – je größer also der Durchmesser des Gefäßes ist – desto größer ist auch der Kreis auf dem Bildschirm (und desto schlimmer die Schmerzattacke). Der Arzt sagt zu dem Kranken: „Konzentrieren Sie sich auf den Kreis! Verkleinern Sie ihn!“ Tatsächlich schrumpft der Kreis langsam: Und die Schläfenarterie lässt weniger Blut hindurch. Diese Form der Selbst-Beeinflussung zu lernen, ist jedoch harte Arbeit. „15 Sitzungen beim Psychologen sind im Schnitt dafür nötig“, sagt Jörg Heuser. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse, wenn „Biofeedback“ im Rahmen einer genehmigten Verhaltenstherapie angewandt wird.

Informationen im Internet: www.dgbfb.de, www.dmkg.de

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