Kriminalität : 56 Kinder gelten schon als Serientäter

Kinder unter 14 Jahren fallen immer häufiger als Kriminelle auf. Die FDP will die Intervention verbessern während die CDU eine frühere Strafmündigkeit fordert.

Sabine Beikler,Jörn Hasselmann

Schon die Jüngsten schlagen, prügeln und treten zu: Zunehmend werden Kinder unter 14 Jahren kriminell. Allein zwischen 2006 und 2007 stieg die Zahl der Straftaten der unter 14-Jährigen um rund zehn Prozent. 7024 Delikte verübten Kinder im Jahr 2006, im Vorjahr waren es schon 7677 – darunter 290 Straftaten von Kindern unter acht Jahren. Dabei ist vor allem ein Anstieg bei Raub und Rohheitsdelikten zu verzeichnen. Das geht aus der Antwort der Senatsinnenverwaltung auf eine Anfrage des FDP-Rechtspolitikers Björn Jotzo hervor.

Der FDP-Abgeordnete fordert, dass schon frühzeitig und vor allem schnell nach der Tat mit polizeibekannten Kindern gesprochen werden muss, um sie mit ihrem Fehlverhalten zu konfrontieren und von ihnen einen Täter-Opfer-Ausgleich einzufordern. CDU-Innenpolitiker Frank Henkel setzt auf Prävention, aber auch auf Repression. Er fordert geschlossene Heime, ein härteres Jugendstrafrecht und die Herabsetzung des Strafmündigkeitsalters von 14 auf zwölf Jahre, Unterstützung kam dafür gestern von der Deutschen Polizeigewerkschaft.

Kinder treten vor allem mit drei Delikten in Erscheinung: Ladendiebstahl (etwa 39 Prozent), Körperverletzung (etwa 24 Prozent) und Sachbeschädigung (etwa 22 Prozent). Lediglich 283 Täter unter 14 fielen durch Raubtaten auf, diese schwere Tat hat einen Anteil von fünf Prozent. Nur 19 Kinder fielen als Drogenhändler auf – in der Regel vorgeschickt von älteren Geschwistern oder Freunden. 56 Kinder werden bei der Polizei als „Intensivtäter“ geführt, dies sind knapp zwei Prozent aller Intensivtäter. 2006 standen in der Kartei 49 Kinder.

Von den im Vorjahr ermittelten 5651 tatverdächtigen Kinder sind 72 Prozent männlich. 25 Prozent haben einen ausländischen Pass. Ausländische Kinder fallen nach Angaben der polizeilichen Kriminalstatistik in Relation zu ihrem Bevölkerungsanteil etwa 75 Prozent häufiger auf als deutsche Kinder. Ein besonderes Phänomen sind bei der Polizei die überwiegend aus Rumänien kommenden Diebe im Kindesalter. Mit dem Beitritt Rumäniens zur EU und den damit verbundenen Reiseerleichterungen hat die Polizei „verstärkte Aktivitäten rumänischer Klaukinder“ festgestellt. Zur Klärung der Identität und der Strafmündigkeit – viele lügen und sagen, dass sie noch nicht 14 sind – arbeitet die Polizei mit der rumänischen Botschaft zusammen.

Auch an den Schulen lag die Zahl der Gewaltvorfälle wie Mobbing, Raub, Schlägereien oder Beleidigungen mit 1735 im Jahr 2007 um etwa zehn Prozent höher als 2006 zuvor. Auch wenn Justiz- und Bildungsverwaltung immer wieder auf die gute Vernetzung von Schule, Jugendämtern und Justiz verweisen, ärgern sich viele Schulleiter, dass sie von außerschulischen Straftaten ihrer Schüler zu spät oder gar nicht erfahren. Je früher die Schule über kriminelles Handeln von Jugendlichen informiert wird, desto schneller können dann Schulpsychologen eingeschaltet werden.

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