Berlin : Kriminalität: Höchste Aufklärungsrate seit 32 Jahren

Otto Diederichs

Eckart Werthebach war zufrieden. Insgesamt, so der Innensenator gestern bei der Vorstellung seines "Trendberichtes" zur Kriminalitätsentwicklung in Berlin, "fällt die Bilanz für das Jahr 2000 aus sicherheitspolitischer Sicht sehr positiv aus". Zwar werde man das Jahr nicht ganz so positiv abschließen können wie 1999, als die verzeichnete Kriminalität um rund 3,5 Prozent zurückgegangen sei, doch auch in diesem Jahr seien die erfassten Straftaten wieder rückläufig. Von Januar bis November wurden danach insgesamt 517 474 Straftaten bekannt. Im Vorjahr seien es 522 858 gewesen. Dies bedeute einen Rückgang um ein Prozent.

In den einzelnen Deliktfeldern sei die Entwicklung jedoch unterschiedlich. So werde bei bislang 55 Mordfällen vermutlich wieder das Niveau des Vorjahres erreicht, im Bereich der Körperverletzungen sei hingegen eine Abnahme zu erkennen. Hier habe man derzeit 513 Fälle schwerer Körperverletzung weniger registriert als im Vorjahreszeitraum. Ebenfalls rückläufig seien die Zahlen - wie schon in den letzten beiden Jahren - auch diesmal wieder bei den Diebstählen (-13 468). Insgesamt habe es hier 221 876 Fälle gegeben.

Auf unverändert hohem Niveau bewegten sich hingegen Straftaten, die der so genannten Organisierten Kriminalität zugerechnet würden. Zahlen nannte er nicht. Auch im Bereich der Vermögenssdelikte (99 246 gesamt), etwa Scheck- und Überweisungsbetrug oder beim Computerbetrug gebe es einen Anstieg. Die neue Informationstechnologie, so Werthebach, "wird von Kriminellen massiv genutzt". Die wichtigsten Indikatoren bei der Kriminalitätsbewertung sei jedoch immer die Zahl der festgestellten Tatverdächtigen, bei denen es einen Rückgang um 2,2 Prozent gebe (Kinder: -11,5 Prozent, Jugendliche: -9,2 Prozent) und die polizeiliche Aufklärungsrate.

Mit einer Quote von 49,6 Prozent sei somit beinahe jede zweite Straftat aufgeklärt worden. Dies sei das beste Ergebnis seit 32 Jahren, sagte Polizeipräsident Hagen Saberschinsky. Einen Vergleich zu ziehen zwischen den Direktionen, die bereits nach dem Berliner Modell arbeiten, und den übrigen Direktionen, lehnte Werthebach ab.

Auch wenn es bei der Umsetzung des Modells, bei dem die Schutzpolizei kleinere Delikte gleich selbst abschließend bearbeitet, immer noch kleinere Probleme gäbe, sei es dennoch ein "wesentlicher Baustein für den Erfolg". Je mehr die Beamten und Beamtinnen die neue Arbeitsweise verinnerlichten, meinte Werthebach, "umso erfolgreicher wird das Modell". In der Direktion 5, die bereits seit zwei Jahren nach dem Berliner Modell arbeitet, sei es auf "hohe Akzeptanz" bei Beamten und Bevölkerung gestossen. Kein Verständnis zeigte der Senator denn auch für die Absicht von Zehlendorfer Bürgern, eine Initiative gegen das Berliner Modell zu gründen: "Hier gibt ein Einzelfall einigen Nörglern Anlass, sich gegen den Strom zu stellen", sagte Werthebach. Der eingeschlagene Weg sei "unumkehrbar".

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