Kriminalität in Berlin : Pro Einbruch entsteht ein Schaden von 5400 Euro

Einbrecher verursachen vergleichsweise hohe Schäden, und die Aufklärungsquote ist gering. Von der Polizei gibt es Lob für die Justiz, weil sie die Kriminellen häufiger als früher ins Gefängnis schickt.

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Warnung. Nach einem Einbruch macht die Polizei häufig mit diesen Aushängen darauf aufmerksam, damit die Nachbarn vorsichtig sind und eventuell Sicherheitsmaßnahmen ergreifen.
Warnung. Nach einem Einbruch macht die Polizei häufig mit diesen Aushängen darauf aufmerksam, damit die Nachbarn vorsichtig sind...Foto: Kai-Uwe Heinrich

Auch wenn die Zahl der Einbrüche gesunken ist, gewonnen ist der Kampf noch lange nicht. Dies zeigt ein Blick auf die Aufklärungsquote. Sie lag 2012 und 2013 bei knapp sieben Prozent. Nur bei Fahrraddiebstählen ist diese Quote noch schlechter – hier wird aber auch so gut wie nicht ermittelt. Deshalb hofft die Polizei auf „aufmerksame Anwohner, die das Entdeckungsrisiko steigen lassen“, wie der für Spandau, Wilmersdorf und Charlottenburg zuständige Chefermittler Karsten Gillert am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses sagte. „Nachbarn passen auf“, diesen Spruch verschenkt die Polizei mittlerweile als Aufkleber.

Festnahmen auf frischer Tat sind meist nur durch schnelle Hinweise von Zeugen möglich, die sofort den Notruf 110 wählen – so wie beispielsweise am vorigen Donnerstag. Im Pressebericht des Polizeipräsidiums las sich das so: In der Nacht wurden in Rummelsburg zwei Einbrecher festgenommen. Einem aufmerksamen Zeugen sind gegen 2.30 Uhr zwei Männer in der Eduardstraße aufgefallen, die dort ein Fenster einer Arztpraxis aufbrachen und einstiegen. Alarmierte Polizisten nahmen die Tatverdächtigen noch in der Praxis fest.“

Das Verbreiten solcher Erfolge gehört zum Konzept der Kripo gegen Wohnungseinbrüche – die Berliner sollen sensibilisiert werden. Dazu gehört auch, dass die Polizei in Häusern, in denen eingebrochen wurde, im Treppenhaus Warnungen aushängt. Die Zahl der Festnahmen durch solche Hinweise sei deutlich gestiegen. „Man darf die Polizei nicht allein lassen“, hatte Polizeipräsident Klaus Kandt im Dezember im Tagesspiegel-Interview gesagt: „Der Bürger muss wachsam sein.“ Und vor allem nicht leichtsinnig: Zehn Prozent der Einbrüche ließen sich vermeiden, wenn die Wohnungstür einfach nur abgeschlossen gewesen wäre oder die Fenster nicht offen gestanden hätten. Diese Zahl präsentierte Kriminaloberrat Gillert am Montag den Abgeordneten. Der Ermittler plädierte dafür, dass Versicherungen besonders gesicherte Wohnungen bei den Prämien berücksichtigen sollten.

Nur die Hälfte der gefassten Täter landete vor einem Haftrichter

198 Täter wurden im abgelaufenen Jahr festgenommen, genau die Hälfte wurde einem Haftrichter vorgeführt. Und dieser schickte 84,2 Prozent in Untersuchungshaft – noch vor drei Jahren lag diese Quote bei 54 Prozent: Jeder zweite festgenommene Täter konnte also am nächsten Tag weitermachen. Härte der Justiz hält die Täter offenbar am besten ab: „Jeder Haftbefehl ist eine Unterbrechung einer Serie“, formulierte Kandt.

Nachdem die politisch motivierten Autobrandstiftungen schlagartig abgenommen haben, hat die Polizei auch wieder das Personal zu nächtlichen Schwerpunkteinsätzen gegen Einbrecher. Chef- Ermittler Gillert berichtete von einem solchen Einsatz in Schmargendorf, bei dem es gelungen sei, das Fahrzeug einer Bande zu verfolgen und in Kleinmachnow zu stoppen. Der Wilmersdorfer Ortsteil ist einer der am stärksten betroffenen in Berlin. Dies bestätigte eine Frau, die in der Salzbrunner Straße wohnt. Bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage hätten Unbekannte ihre Wohnanlage heimgesucht. „Dieses Mal haben sie es nicht geschafft, aber erst Anfang Januar gab es hier im Haus einen Einbruch“, berichtete die verängstigte Anwohnerin. Sie hat mittlerweile ihre Wertsachen in einem Bankschließfach deponiert. „Die Täter gehen dorthin, wo sie fette Beute erwarten“, sagte ein Polizeibeamter, und das sei eben Schmargendorf und Dahlem und beispielsweise nicht Wedding.

Es ist nicht nur das „Sicherheitsempfinden“, das nach Einschätzung von Innensenator Frank Henkel (CDU) unter den Einbrüchen leide, es entsteht pro Tat ein vergleichsweise hoher Schaden. Im Jahr 2012 waren es pro Einbruch genau 5414 Euro. Zum Vergleich: Bei Betrug sind es nur knapp 3000 Euro, beim Handtaschenraub 446 und beim Ladendienstahl 100 Euro.

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