• Kriminalität in Berliner Flüchtlingsheimen: Polizeipräsident: Massenunterbringung fördert Gewalt

Kriminalität in Berliner Flüchtlingsheimen : Polizeipräsident: Massenunterbringung fördert Gewalt

Laut der aktuellen Kriminalitätsstatistik wurden im Jahr 2015 etwa 2000 Straftaten in Flüchtlingsunterkünften erfasst. Knapp 1000 waren Gewalttaten, vor allem Körperverletzungen.

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Notunterkünfte wie diese in Tempelhof fördern offenbar die Gewaltbereitschaft, wie die Kriminalitätsstatistik nahelegt.
Notunterkünfte wie diese in Tempelhof fördern offenbar die Gewaltbereitschaft, wie die Kriminalitätsstatistik nahelegt.Foto: Rainer Jensen/dpa

Gewalt in Berliner Flüchtlingsheimen ist offensichtlich an der Tagesordnung, das legt die aktuelle Kriminalitätsstatistik nahe, die die Polizei am Freitag vorstellte. Nach Angaben von Polizeipräsident Klaus Kandt wurden im Jahr 2015 etwa 2000 Straftaten in Flüchtlingsunterkünften erfasst. Knapp 1000 waren Gewalttaten, darunter Raub, Körperverletzung.

Kandt sagte zu der Gesamtzahl der Taten, dass es ein sehr schwer bezifferbares Dunkelfeld gebe. Vermutlich wird eine große Zahl von Taten nie angezeigt. Als „vertrauensbildende Maßnahme“ hat die Polizei in jeder der sechs Berliner Polizeidirektionen einen Verantwortlichen und für jede Unterkunft einen festen Ansprechpartner bestimmt.

Erst am Donnerstagabend gab es zwei Gewaltausbrüche in Flüchtlingsunterkünften in Adlershof und Karlshorst. Die Heimbewohner sollen auch Sicherheitsbedienstete attackiert haben. Ein Heimleiter erlitt Gesichtsfrakturen. Die Polizei nahm mehrere Heimbewohner vorübergehend fest. Die Schlägerei in Karlshorst soll auch durch das Verhalten der Sicherheitsleute ausgelöst worden sein.

Kandt: "Kulturelle Konflikte könnten zu Gewalt führten"

Immer wieder gibt es auch im Zusammenhang mit Auseinandersetzungen in Flüchtlingsheimen Vorwürfe gegen Mitarbeiter der Sicherheitsfirmen. Der Sprecher der Sozialverwaltung, Sascha Langenbach, sagte, man nehme entsprechende Hinweise sehr ernst und gehe ihnen unter anderem mit unangemeldeten Heimbesuchen nach. Pauschale Kritik an den Sicherheitskräften lehne er aber ab.

Von den 79 000 Flüchtlingen, die 2015 nach Berlin gekommen sind, leben noch 43 444 in der Hauptstadt – in 151 Aufnahmeeinrichtungen, Gemeinschafts-und Notunterkünften, 553 Personen wohnen in Hostels und Pensionen. „Es wird sehr spannend, ob die Integration dieser Menschen gelingt“, sagte Kandt dem Tagesspiegel. Massenunterkünfte ohne Privatsphäre würden Kriminalität fördern. „Es vertragen sich nicht alle Ethnien und Kulturen“, sagte Kandt. Kulturelle Konflikte könnten zu Gewalt führten. Hinzu komme die in der arabischen Kulturverwurzelte Homophobie. Es mussten schon homosexuelle Flüchtlinge an sichere Orte gebracht werden.
Die Zahl der Straftaten im Umfeld von Heimen sei entgegenvieler Befürchtungen „unauffällig“.
„Wir müssen in die Unterkünfte gehen, unsere Werte vermitteln und dürfen auch die Auseinandersetzung mit rassistischem, homophobem oderantisemitischem Denken nicht scheuen“, sagte Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) dem Tagesspiegel. Mobile Teams würden in die Heime geschickt.

Wertevermittlung werde ein wichtiges Thema im Masterplan Integration und Sicherheit sein, der erarbeitet wird. Auch die CDU-Fraktion will ein Maßnahmenpaket auflegen. „Jeder Flüchtling soll eine Demokratieverpflichtungserklärung unterzeichnen“, sagte CDU-Politiker Burkard Dregger.

 

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