Kriminalität : Schießerei vor Russendisko

Nach einem Streit in Hohenschönhausen stirbt ein Mann auf offener Straße. Es gibt drei Verletzte.

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Ort des Schreckens. Polizisten stehen am Sonnabend vor dem Cozy Club. Hier wurde die Tatwaffe auf der Straße gefunden. Die Hintergründe sind unklar.
Ort des Schreckens. Polizisten stehen am Sonnabend vor dem Cozy Club. Hier wurde die Tatwaffe auf der Straße gefunden. Die...Foto: Paul Zinken / dpa

Es wird wohl ein Streit unter Kriminellen gewesen sein. Vor einer Disko im Lichtenberger Ortsteil Hohenschönhausen zog Sonnabend früh ein Mann eine Waffe und schoss auf drei andere Männer. Einer starb, zwei wurden schwer verletzt. Zahlreiche Anwohner riefen um 2.15 Uhr wegen der lauten Schüsse sofort Polizei und Feuerwehr, auch aus der Disko heraus wurde mehrfach der Notruf gewählt. Der Schütze wurde festgenommen. Auch er hat Verletzungen und liegt im Krankenhaus. Ob er die Verletzungen bei der Festnahme erlitt oder zuvor bei dem Streit, ist nach Angaben aus dem Präsidium noch unklar. Der Tatort an der Ribnitzer Straße wurde abgesperrt. Dabei wurde die Waffe unter einem vor der Disko geparkten Auto gefunden.

Die Disko „Cozy Club“ liegt in einem Plattenbaugebiet, eingezwängt zwischen zwei Supermärkten. Nach Polizeiangaben sollen die Männer sich zuvor in der Disko gestritten haben, worum ist unklar. Es soll sich um Gäste handeln, nicht um Angestellte. Unklar ist, ob die Männer noch Begleiter hatten, die zur Tatzeit im Club waren. Die etwa 60 Gäste konnten den Club nach der Tat über den Hinterausgang verlassen, alle mussten ihre Personalien nennen.

Zunächst war unklar, wieviele Personen geschossen hatten, erst am Morgen stand fest, dass nur eine Waffe eingesetzt wurde. Derzeit wird diese kriminaltechnisch untersucht. Einen Bezug zum Rockermilieu soll es nicht geben. Der Cozy Club wird fast ausschließlich von Russen besucht, wie Anwohner der Polizei berichteten, sollen auch einige Albaner unter den Gästen sein. Der Tatverdächtige ist Russe, 33 Jahre. Der Tote ist ein 37-jähriger Kasache, die beiden Verletzten sind ein 34-jähriger Ukrainer und ein 41 Jahre alter Türke. Keiner ist in Lebensgefahr. Der Inhaber des Clubs ist offenbar Türke. Als nächstes dürfte die Polizei prüfen, ob die Personen bereits in der Vergangenheit durch Straftaten aufgefallen sind.

Solche Schießereien sind oft Revierkämpfe

Am Freitagabend trat in dem Club die russische Band „Biffguyz“ auf. Auf der Facebook-Seite des Clubs wird so geworben: „Tauche ein in die heißeste Nacht und die stylischste Party!“ G enerell ist jeden Freitag und Sonnabend in dem Club eine „Russian Party“ angekündigt, eine Flasche Bier schlägt im Cozy Club nur mit drei Euro zu Buche.

Nach der Party-Nacht zu Sonnabend ermittelt nun die 5. Mordkommission.

Es waren nicht die ersten Schüsse vor einer Berliner Diskothek. 2013 war in Prenzlauer Berg vor dem Soda Club ein Türsteher erschossen worden. Die Polizei hatte damals nach der Tat Gerüchte dementiert, dass es einen Bezug zur Rockerkriminalität gibt. Später stellte sich heraus, dass es den sehr wohl gab. Denn zuvor waren Hells Angels am Eingang abgewiesen worden, die Schüsse sollten dafür eine Rache sein. Im Prozess 2016 reichten die Beweise gegen die drei angeklagten Rocker aus dem Hells-Angels-Umfeld nicht aus. Sie wurden freigesprochen.

Neben Rockern gelten Banden russischer, albanischer und arabischer Herkunft zu den aktivsten Akteuren bei kriminellen Geschäften im Rotlicht- und Türstehermilieu. „Es geht um Macht, um Reviere für illegale Geschäfte“, hatte Michael Böhl, Berliner Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, kürzlich nach einer ähnlichen Tat gesagt: „Besonders gefährlich ist, dass die Männer in der Öffentlichkeit schießen.“ Bekanntlich hatten im Rotlichtmilieu aktive Araber 2015 am Olivaer Platz in Wilmersdorf auf Konkurrenten geschossen und dabei eine unbeteiligte 62-Jährige verletzt.

Der Betreiber des Cozy Clubs sagte am Telefon, die Schießerei habe mit dem Club gar nichts zu tun, sondern habe vor dem benachbarten Dönerladen stattgefunden, die Beteiligten seien nur in Richtung des Clubs weggelaufen und hätten vor diesem die Waffe weggeworfen. Sie seien keine Clubgäste gewesen. Ob der Club am Samstagabend öffnen würde, konnte der Betreiber noch nicht sagen.

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