Kriminalitätsbekämpfung in Berlin : Mehr Polizei auf dem Alexanderplatz

Immer wieder kommt es am Alex zu Gewaltaten, vor fünf Jahren starb hier Jonny K. Ab Dezember soll hier eine neue Polizeiwache samt Videoüberwachung für mehr Ruhe sorgen.

Am Alex entsteht derzeit ein Polizeihaus. Auch Überwachungskameras kommen zum Einsatz.
Am Alex entsteht derzeit ein Polizeihaus. Auch Überwachungskameras kommen zum Einsatz.Foto: Paul Zinken/dpa

Kurz vor dem Todestag von Jonny K. erschreckt eine neue Gewalttat auf dem Alexanderplatz: Am Donnerstagabend endete ein Streit zwischen zwei Männern mit Messerstichen. Ein 22-Jähriger kam mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus, der 24 Jahre alte Tatverdächtige konnte von Bundespolizisten am Tatort direkt vor dem Bahnhof festgenommen werden.

Dem Vernehmen nach kannten sich die beiden aus Syrien stammenden Männer gut. Wegen der Schwere der Verletzungen hat eine Mordkommission die Ermittlungen wegen eines versuchten Tötungsdelikts übernommen. Der 24-Jährige soll dem Haftrichter vorgeführt werden – mit dem Ziel der Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie.

"Alexwache" wird im Dezember eröffnet

Die Tat geschah nach Polizeiangaben zwischen Weltzeituhr und Bahnhof, also nur wenige Meter entfernt von der „Alexwache“, die derzeit im Bau ist. Wie Martin Pallgen, Sprecher der Innenverwaltung, am Freitag sagte, werde diese Polizeiwache im Dezember eröffnet.

Die Debatte um die Gewalt am Alexanderplatz und im Bereich zwischen Fernsehturm, Neptunbrunnen und Rathaus hatte nach der Attacke auf Jonny K. begonnen. Doch bislang konnte trotz massiv erhöhter Polizeipräsenz die Gewalt nicht eingedämmt werden. 2016 wurden am Alex weit mehr als 600 Gewaltdelikte wie Körperverletzung, Raub und Bedrohung gezählt. Im 1. Quartal dieses Jahres waren es schon 180 – eine Steigerung für 2017 ist also zu erwarten.

In den vergangenen Wochen hatte es mehrfach Schlägereien oder Gewalttaten gegeben, auffallend häufig zwischen Flüchtlingen. Zuletzt war es am Dienstagnachmittag im Bahnhof Alexanderplatz zu einer Messerattacke gekommen. Das 14 Jahre alte Opfer ist ebenfalls ein syrischer Flüchtling, als Tatverdächtige wurden vier aus dem Libanon stammende junge Männer ermittelt.

Immer öfter wird Zugestochen

Wie es in der jüngsten Kriminalstatistik heißt, wurde das Messer im Jahr 2016 genau 2625-mal bei Straftaten gezogen – das ist der zweithöchste Wert seit 2008. Am Sonnabend hatte die Polizei – wieder einmal – einen Sondereinsatz auf dem Alex. Eine Hundertschaft kontrollierte 100 Personen. Ein verbotenes Messer und eine geringe Menge Drogen waren die ganze Ausbeute des neunstündigen Einsatzes.

Am Freitag sammelte die Gewerkschaft der Polizei neben der Weltzeituhr Unterschriften für mehr Videoüberwachung.

„Der Alexanderplatz ist noch immer ein Hotspot für Kriminalität und gewalttätige Auseinandersetzungen“, sagte GdP-Sprecher Benjamin Jendro. Bekanntlich unterstützen beide Polizeigewerkschaften und die CDU den Volksentscheid für fest installierte Videokameras an Kriminalitätsschwerpunkten. Die Koalition setzt dagegen auf eine „mobile“ Videoüberwachung. Zwei fahrbare Anlagen sollen bald an verkaufsoffenen Wochenenden oder bei Festen eingesetzt werden, vor allem am Alex.

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