Berlin : Kripo hält die Tat für "das verheerendste Werk eines Brandstifters in diesem Jahr"

Christoph Stollowsky

Das Feuer in Prenzlauer Berg, bei dem am Mittwochabend die Dachstühle dreier Häuser an der Ecke Bornholmer Straße / Andersenstraße vollständig vernichtet wurden, ist das Werk eines Brandstifters. Vom Täter fehlt jede Spur. Ein 22-jähriger Mann aus Friedrichshain, den Beamte der ermittelnden Brandkommission gestern festgenommen hatten, ist wieder auf freiem Fuß. Der Verdacht gegen ihn sei ausgeräumt worden, teilte der Leiter der Brandkommissionen im Landeskriminalamt, Manfred Schmandra, mit. Nach seinen Angaben ist der Dachstuhlbrand an der Bornholmer Straße das verheerendste Feuer, das in diesem Jahr vorsätzlich gelegt wurde. Kripo und Feuerwehr appellierten eindringlich an Mieter und Hausbesitzer, die Türen von Dachböden zu verschließen. Andernfalls hätten Brandstifter leichtes Spiel.

Wie berichtet, war das Feuer an der Bornholmer Straße unter dem Dach eines vierstöckigen Mietshauses ausgebrochen. Als es Bewohner gegen 18.30 Uhr entdeckten, schlugen die Flammen schon aus der Speichertür. Bis die Brandschützer nur wenige Minuten später anrückten, hatte der Brand auf die Dächer eines Nachbarhauses an der Andersenstraße und eines Seitenflügels übergegriffen. Insgesamt standen rund 600 Quadratmeter in Flammen. Die Feuerwehr konnte ein Übergreifen des Brandes auf weitere Häuser verhindern, außerdem gelang es ihr, darunterliegende Wohnungen zu schützen, die allerdings durch Löschwasser beschädigt wurden. Ihre Mieter müssen Weihnachten in Ersatzwohnungen verbringen und abwarten, bis die zerstörten Versorgungsleitungen wieder hergestellt sind.

Die Gewalt des Brandes, der in Minutenschnelle drei Speicher in eine Flammenhölle verwandelte, überraschte selbst altgediente Feuerwehrmänner. "Sowas habe ich unterm Dach noch nicht erlebt", sagte gestern der Einsatzleiter. Normalerweise breite sich ein Dachstuhlbrand langsamer aus. Das Tempo des Feuers ist für die Kripo deshalb ein wichtiges Indiz für eine Brandstiftung. Außerdem habe der Mieter einer Wohnung im vierten Stock Geräusche auf dem Dachboden gehört, bevor er das Feuer bemerkte. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sei auch die Speichertür unverschlossen gewesen.

Vermutlich habe der Täter einen Brandbeschleuniger benutzt, sagten Experten auf Anfrage. "Damit können Sie einen ganzen Dachboden in fünf Minuten in ein Flammenmeer verwandeln." Aus diesem Grunde müssten Haustüren und die Zugänge zu Speichern konsequent verschlossen werden. Kriminaloberrat Manfred Schmandra rief in diesem Zusammenhang gestern private Vermieter und Wohnungsbaugesellschaften dazu auf, Hauseingänge mit Sprech- und Klingelanlagen sowie Schnappschlössern zu sichern. Wo diese fehlen, lassen die Bewohner oft den Zugang aus Bequemlichkeit offen - oder weil sie Gäste erwarten, die sonst vor verschlossener Tür stehen.

Laut Kriminalstatistik wurden im Jahr 1998 rund 5000 Brandstiftungen in Berlin verübt, ein Drittel davon in Kellern, Treppenhäusern und auf Speichern. Ansonsten steckten die Täter meistens Mülltonnen und Container an. Die Statistik für 1999 wird noch erstellt, ein Anstieg der Zahlen ist laut Kripo-Mann Schmandra nicht erkennbar.

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