Kritik am Fernsehen : Buschkowsky hält Hartz-IV-Shows für Voyeurismus

Braucht Deutschland Fernsehshows, in denen sogenannte Sozialfahnder vor laufender Kamera Jagd auf Hartz-IV-Betrüger machen? Nein, findet Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky und greift in einem Interview die neue Sat1-TV-Show "Gnadenlos gerecht - Sozialfahnder ermitteln" scharf an.

Buschkowsky
Freund klarer Worte: Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD). -Foto: Kleist-Heinrich

BerlinDer Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) hat die TV-Dokusoaps über Sozialfahnder bei "Hartz IV"-Empfängern angeprangert. Er bezweifele, dass in Sendungen wie der SAT.1-Dokusoap "Gnadenlos gerecht - Sozialfahnder ermitteln" der "Gerechtigkeit" zum Sieg verholfen wird, sagte der Politiker in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Focus". "Das halte ich schlicht für Unfug." In der ersten Folge der Serie kontrollierten Sozialfahnder bei unangemeldeten Hausbesuchen die finanziellen Leistungen für "Hartz IV"-Empfänger.

Buschkowsky: Es gibt auch Schummelei

Stattdessen werde in solchen Berichten, die schon fast alle Fernsehsender gezeigt hätten und die deswegen entbehrlich seien, "immer der gleiche Voyeurismus" bedient, erklärte der Bezirksbürgermeister. Die Zuschauer wollten sich mit Blick auf eine bestimmte Gruppe "unterhalb der kleinbürgerlichen Ebene" unterhalten. Das sei für ihn "'Bild'-Zeitungs-Fernsehen", sagte Buschkowsky zu "Focus"

Den Missbrauch bei Sozialleistungen schätzt der Bezirksbürgermeister auf einen Anteil "zwischen 15 und X Prozent". Wo es um Geld gehe, "gibt's auch Schummelei", sagte Buschkowsky. Deshalb müsse es solche Kontrollen geben. (iba/ddp)

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