Kritik an Gemäldereihe : Bilderstreit im Schloss Bellevue

Zu bunt, zu banal: Die farbenfrohen Portraits der früheren Bundespräsidenten im Schloss Bellevue stießen auf massive Kritik - vor allem weil alle Besucher sie unfreiwillig passieren mussten. Joachim Gauck ließ die Kunstwerke nun kurzerhand anderswo unterbringen.

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Schön bunt. Die Bilderserie des Berliner Künstler Volker Henze wurde nun umgehängt. 
Schön bunt. Die Bilderserie des Berliner Künstler Volker Henze wurde nun umgehängt. Foto: dpa

Da wurde es den Gästen des Bundespräsidenten doch zu bunt. Erst vor wenigen Wochen waren in der Galerie im Erdgeschoss von Schloss Bellevue farbenfrohe Portraits aller Bundespräsidenten aufgehängt worden. Der frühere Bundespräsident Christian Wulff hatte die noch von seinem Vorgänger Horst Köhler angeregte Bilderserie für mehr als 100 000 Euro bei dem Berliner Künstler Volker Henze in Auftrag gegeben.

Kaum hingen die Ölbilder, gab es massive Kritik, zum Beispiel beim Bürgerfest Anfang September. Da defilierten viele engagierte Menschen und interessierte Bürger aus allen Bereichen an der Galerie vorbei, und längst nicht alle fanden Geschmack an dieser besonderen Interpretation der bunten Republik Deutschland. Doch nicht nur das Volk meckerte über die Portraits, die sicher nicht im klassischen Sinne staatstragend aussahen, sondern eher etwas eigenwillig. Die Bildergalerie, in der früher auch mal Wechselausstellungen stattfanden, muss jeder passieren, der auf dem Weg zu den Salons im Obergeschoss ist, in denen offizielle Staatsbankette und Empfänge stattfinden. Kaum war der Tag der offenen Tür vorbei, gab es neue Entrüstungsstürme unter geladenen Gästen. Zum Beispiel beim Wandelkonzert zum 100. Geburtstag der Deutschen Oper wurde so dissonant über die Bilder geredet, dass die Fetzen flogen. Gaucks Sprecherin formuliert diplomatisch: „Die Bilder haben sehr viele Diskussionen ausgelöst, und es gab massive Kritik.“

Auslöser für die Kritik waren unter anderem die starken Farben. Kenner der Kunstszene machten aber auch geltend, dass diese Kunst eher dekorativ und konventionell sei, und man sich an dieser Stelle bedeutendere Werke wünschen würde. Wobei es auch Stimmen gab, die einwandten, dass alles eine Frage des Geschmacks sei.

Im Bundespräsidialamt reagierte man prompt auf Volkes Stimme und hängte die Bilder um. Es habe schließlich keine Vereinbarung darüber gegeben, wo genau die Bilder hängen sollen, sagte die Sprecherin. Nun sind sie im Salon Ehrenhof zu sehen, im Vorraum zum Amtszimmer des Bundespräsidenten. „Das ist vielleicht der bessere Ort für diese Bilder, sagte die Sprecherin. „Alle Besucher des Präsidenten bekommen sie zu sehen.“ Hier werden sie sich auch dem internationalen Urteil stellen müssen, denn alle neuen Botschafter, die sich beim Bundespräsidenten akkreditieren, müssen da durch. In der Zwischenzeit haben sich die Kunstexperten des Bundespräsidialamtes auf die Suche nach Ersatz für die Galerie begeben.

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