Berlin : Kündigung für Quartiersmanager

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Aus Unzufriedenheit über das so genannte Quartiersmanagement im Kreuzberger Wrangelkiez lässt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung einen Vertrag mit dem Träger des Projekts, dem Kirchbauhof, auslaufen. "Wir sind über die Arbeit enttäuscht", sagte gestern der Referatsleiter Stadtentwicklung, Dietrich Flicke. Die Senatsverwaltung und Kreuzbergs Bürgermeister Franz Schulz (Grüne) werfen dem Kirchbauhof unter anderem vor, es habe die Ergebnisse einer Bürgerbefragung im Kiez nicht konsequent genug in Projekte einfließen lassen. Vor allem gegen den zunehmenden Ladenleerstand in der Wrangelstraße sei zuwenig unternommen worden, sagte Schulz. Der Kirchbauhof habe zudem sein Personal zu häufig ausgewechselt.

Matthias Roß, der Geschäftsführer der Trägergesellschaft, die in der Stadt etliche Projekte unterhält, wies die Vorwürfe zurück. Er wundere sich über den "plötzlichen Sinneswandel" der Senatsverwaltung. Noch Ende 1999 habe sie angeboten, den Vertrag zu verlängern. Eine inhaltliche Auseinandersetzung über die Arbeit habe nie stattgefunden, sagte er. Die Projekte zeigten erste Erfolge, die Bilanz sei "durchaus positiv".

Auch der grüne Bundestagsabgeordente Özcan Mutlu kritisiert die Arbeit des Trägervereins. Nachdem der Vertrag eines 33-jährigen mehrsprachigen Mitarbeiters nicht verlängert worden sei, habe das Unternehmen diesem vorgeschlagen, "schwarz" weiterzuarbeiten. Roß hingegen sagt, angesichts der Unsicherheit über die Zukunft des Emgagements des Kirchbauhofs in der Wrangelstraße habe man den Mann nicht weiter anstellen können. Ihm sei aber vorgeschlagen worden, in einem "Praktikum" weiter zu arbeiten. Mutlu zufolge hat der Mitarbeiter viel für die Integration türkischer Bewohner des Problemkiezes in das Projekt getant. Der Kirchbauhof dagegen habe "nichts auf die Beine gestellt".

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung betonte, am Quartiersmanagement im Wrangelkiez festhalten zu wollen. In einer Ausschreibung soll bis Ende Juni eine neue Trägergesellschaft gefunden werden. Der Kirchbauhof wird seine Arbeit so lange fortsetzen. Zu den seinen Projekt zählt unter anderem die Umgestaltung des Cuvry-Platzes, die Weiterbildung für jugendliche Einwanderer, ein Multimedia-Projekt an Schulen und eine lokale Arbeitsvermittlung. Berlinweit wird in derzeit 15 Problemkiezen versucht, mit verschiedenen sozialen Projekten Tendenzen der Verwahrlosung zu stoppen.

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