Künstler Emmanuel Peterfalvi alias Alfons : "Das Lachen hat sich verändert"

Die Hälfte seines Lebens hat er in Deutschland verbracht. Angesichts der aktuellen Ereignisse fällt es ihm nicht immer leicht auf die Bühne zu gehen. Heute Abend tritt Alfons bei den Wühlmäusen auf.

Florian Brand
Liebenswerter Journalist mit Puschelmikrofon: Emmanuel Peterfalvi alias Alfons. Foto: promo
Liebenswerter Journalist mit Puschelmikrofon: Emmanuel Peterfalvi alias Alfons.Foto: promo

Natürlich hat Emmanuel Peterfalvi Angst, bei allem, was passiert ist in letzter Zeit. Aber er zeigt es nicht, wenn er auf die Bühne gehe. Der gebürtige Franzose dürfte vielen besser bekannt sein als der liebenswerte Journalist Alfons mit dem Puschelmikrofon. Berühmt-berüchtigt geworden ist er durch seine etwas unbeholfenen Straßenumfragen. Mittlerweile hat er sein eigenes Programm und tritt als Comedian und Kabarettist auf. Zurzeit tourt er mit seinem Programm „Mein Deutschland“ durch die Republik und heute Abend ist er bei den Wühlmäusen in Westend.

Geboren und aufgewachsen ist Peterfalvi in Paris. Seit ziemlich genau 25 Jahren lebt er in Deutschland. Damit hat er die Hälfte seines Lebens hier verbracht und fühlt sich mittlerweile „eingedeutscht“, wie er sagt.

Ein Schlüsselerlebnis war für ihn der erste Gang zum Finanzamt. Die Mitarbeiterin fragte ihn nach seinem Beruf. Weil es die Kategorie „Künstler“ nicht gab, sagte er „schlechter Journalist“ – und Zack, wurde eine neue Berufsbezeichnung im System der Behörde extra für ihn angelegt. „Für mich war das damals ein großer Spaß. Die Frau vom Finanzamt fand das gar nicht lustig.“

Typisch Deutsch: ADAC-Mitgliedschaft und Haftpflichtversicherung

In seinem Programm greift Peterfalvi als Bühnenfigur Alfons die Eigenarten der Deutschen auf. „Ich möchte euch ein bisschen piesacken, weil ich die Deutschen so sehr liebe. Ich halte euch Eigenarten vor, die ich selber gar nicht so schlimm finde“, sagt er. Er sei selbst Mitglied beim ADAC und habe eine Haftpflichtversicherung. „Das ist richtig Deutsch“, sagt er.

Auf der Bühne schlägt er aber auch ernste Töne an. Aktuell verarbeitet er die Anschläge in Paris. Leicht sei das nicht, nach so einem Ereignis auf die Bühne zu gehen und die Leute zum Lachen zu bringen. „Aber das ist mein Job“, sagt er. Angst zu zeigen, gehört nicht dazu. „Es ist wichtig, dass wir Künstler da sind und dezidiert reagieren, wenn so etwas passiert.“ Als Seelenklempner versteht er sich nicht. „Jeder verarbeitet so etwas auf seine Art. Wenn ich dabei helfen kann, umso besser.“

Ob sich das Lachen der Menschen verändert hat? Ja, aber das tue es immer wieder. Was die Menschen verändert, verändert auch ihr Lachen, das war schon nach dem Irakkrieg so und ist es jetzt wieder durch Flüchtlingskrise. „Vor ein paar Monaten sah man Flüchtlinge im Fernsehen, die ein Bild von Angela Merkel halten. Wenn in Frankreich jemand ein Bild von François Hollande hochhält, kann er weiter flüchten.“

"Wir haben Europa gebaut, damit es Frieden gibt"

Sorgen bereitet ihm vor allem der Rechtsruck in Frankreich. Das Problem sei, dass der Front National immer weniger als rechtsextremistische Partei zu erkennen sei. Man gebe sich als Partei der kleinen Leute und verbreite rassistische Parolen. „Das ist gefährlich! Ich kenne die Lösung nicht, aber populistische Politik zu machen und die Angst diktieren zu lassen ist gefährlich“, sagt Peterfalvi. Schuld daran sei unter anderem auch der vorherige Präsident Nicolas Sarkozy, der rassistische Parolen verbreitet hätte, als wäre es eine legitime Meinung. Angesichts dieser Entwicklungen blickt er pessimistisch in die Zukunft.

Trotzdem ist er überzeugt, dass die deutsch-französische Freundschaft auch das überstehen wird. „Wir haben Europa zusammen gebaut, damit es Frieden gibt“, zitiert er einen Bauer, mit dem er sich kürzlich unterhalten hat. „Nun müssen wir und die nachfolgenden Generation dafür sorgen, dass das auch so bleibt!“

Alfons tritt am heutigen Montagabend, 14. Dezember, bei den Wühlmäusen auf. Beginn ist um 20 Uhr, es gibt noch Karten.

Die Adresse: Pommernallee 2-4 in Westend, U-Bahn-Station Theodor-Heuss-Platz

1 Kommentar

Neuester Kommentar