Berlin : Küsschen, Klamauk und Karneval

Ab 11.11 Uhr wird gejohlt: Basiswissen zum Umzug Was Fisternöll bedeutet und wie 1952 gefeiert wurde

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WAS HAT DIESER KLAMAUK BITTE MIT BERLIN ZU TUN?

Ja, herrlich! Da ist es wieder, das routiniert-schnoddrige Berliner Nörgeln (wie übrigens auch vor der WM oder Silvester, und dann sind plötzlich doch wieder Hunderttausende auf der Straße). Karneval hat in Berlin Tradition, das zeigt schon ein Blick ins Archiv des Tagesspiegels, etwa in die Ausgabe vom 19. Februar 1952. Erstmals werde in Berlin Karneval gefeiert, hieß es damals, und zwar mit 90 Fahrzeugen auf einer Strecke von 21 (!) Kilometern, kreuz und quer durch West-Berlin, von der Messe bis zur Hasenheide. Überall wurde geschunkelt und gejohlt, Zehntausende schauten zu. So viel zur Tradition. Zugegeben, 1959 war’s erstmal vorbei, die verordnete gute Laune ging zu vielen Berlinern auf die Nerven.

WO WIRD DIESMAL GEFEIERT?

Nach der zarten Pappnasen-Renaissance Unter den Linden und der Leipziger Straße kehrt der Karneval wieder zum Ku’damm zurück. Ab 11.11 Uhr wird es bunt, laut, krachend – aber lange nicht so gigantisch wie im Nachkriegs-Berlin von 1952. Diesmal ziehen 60 Festwagen auf der geradezu bescheidenen Strecke von vier Kilometern Länge durch den Westteil. Also, gar nicht so schlimm.

WAS MUSS MAN DENN MITBRINGEN?

Einen Regenschirm! Nein, nicht weil’s vom Himmel schütten soll (ganz im Gegenteil – die vorsichtige Prognose: Sonne am Mittag, sieben Grad). Sondern weil erstens so ein Regenschirm – umgedreht – die vielen herumfliegenden Bonbons auffängt und zweitens so ein Regenschirm – nicht umgedreht – die vielen herumfliegenden Bonbons abwehrt. Wer will, kann sich eine knallrote Pappnase aufsetzen oder auch gleich in ein Eisbärenkostüm schlüpfen (dürfte wegen „Knut“ ziemlich angesagt sein – siehe links). Hohe Knuddel- und Küsschen-Quote garantiert!

WAS MUSS MAN EIGENTLICH RUFEN?

Kölner und Bonner rufen „Alaaf“, Düsseldorfer japsen „Helau“, Berliner johlen „Hei-Ho“ oder auch, eher trotzig, „Hahohe“ – wenn ein Mainzer nebenan steht (die haben ja leider gestern Hertha BSC im Olympiastadion besiegt). Wer lieber flirten will, sollte etwas von „Bützje“ flüstern und „Fisternöll“. Darunter versteht man eine Karnevalsaffäre, die aber wirklich – unbedingt! – heute Abend, 24 Uhr, beendet sein muss.

WAS WIRD ÜBERHAUPT ZU SEHEN SEIN?

Also, es ziehen 25 Prinzenpaare aus der Region durch die Stadt, dazu mehr als ein Dutzend Spielmannszüge – insgesamt feiern 3000 Menschen im Zug unter dem Motto „Hier tanzt der Bär“. Auf dem ersten der 60 Wagen wird ein glitzerndes Riesenrad zu sehen sein. Bald steht so ein Gerät bekanntlich am Bahnhof Zoo.

WIRD NUR IN DER WEST-CITY GEFEIERT?

Nein, nein. Auch im FEZ in der Wuhlheide wird beispielsweise bis zum Abend getanzt (für drei Euro Eintritt), im Eisstadion Wilmersdorf wird Fasching auf Schlittschuhen gefeiert. Und wer vom Karnevalszug in der West-City nicht genug hat: Die große Party in der TU-Mensa in der Hardenbergstraße beginnt um 14 Uhr; Eintritt: zehn Euro. Bis zu 2000 Gäste haben bei der Party Platz.

UND WENN MAN DIESES FRÖHLICHE DURCHEINANDER NICHT SEHEN WILL?

Dann kann man bei diesem angenehmen Wetter nach Brandenburg fahren – doch Vorsicht: Auch dort stehen Karnevalsumzüge an, etwa in Cottbus, und das ist sogar einer der größten in Ostdeutschland. Zudem sollte man darauf achten, dass in Berlin die BVG betroffen ist von der Parade: Auf dem Abschnitt zwischen dem Wittenbergplatz und dem Ernst-Reuter-Platz fahren daher bis 18 Uhr keine Busse. Fahrgäste sollten auf die U-Bahn-Linien U 9 und U 12 ausweichen

ÜBERTRÄGT DAS FERNSEHEN?

Ja. Auch der RBB feiert mit – live von 12 Uhr bis 14 Uhr, danach wird nach Cottbus geschaltet. AG

Noch mehr Basiswissen im Netz:

www.karneval-in-berlin.de

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