Kulturelle Unterschiede : In China bloß keine Blumen mitbringen

Wer im Ausland Geschäfte macht, sollte die Gepflogenheiten dort kennen. Trainings zu interkultureller Kompetenz helfen

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Globale Geschäfte. Oft wird gar nicht erkannt, dass sie an kulturellen Missverständnissen scheitern – und so viel Geld verloren geht. Foto: picture-alliance/Bildagentur-online
Globale Geschäfte. Oft wird gar nicht erkannt, dass sie an kulturellen Missverständnissen scheitern – und so viel Geld verloren...Foto: picture alliance / Bildagentur-o

Geschäfte in China haben eigene Regeln. Pünktlichkeit ist eine Tugend, bereits eine Verspätung von wenigen Minuten wird als unhöflich empfunden. Trifft man seinen Geschäftspartner zum ersten Mal, ist der Austausch von Visitenkarten und deren intensives Studium Pflicht. Außerdem sollte man sich Blumen als Mitbringsel verkneifen, denn sie ehren vor allem Verstorbene. Das sind nur ein paar von hundert Kleinigkeiten, die ein Geschäft kompliziert machen können. Wie Konfuzius sagte: „Die Natur der Menschen lässt sie einander nah sein, doch die Gebräuche halten sie voneinander fern.“

Man muss aber nicht bis nach China reisen, um auf kulturelle Unterschiede zu stoßen. Es reicht der gerade mal einstündige Flug von Berlin nach Zürich. Schnell merkt man: Die Schweizer haben ein starkes Harmoniebedürfnis. Es heißt, sie suchen schon den Kompromiss, bevor überhaupt ein Problem aufgetreten ist. Sie mögen es auch nicht, wenn zu laut geredet wird. Und sie können es nicht ausstehen, wenn wir uns am Schwyzerdütsch versuchen – einmal abgesehen davon, dass die Sprache schon ohne Klangfärbung schwierig genug ist. Oder wissen Sie, was ein Camion, ein Traktandum oder ein Högg ist? (Zur Information: Das sind die Schweizer Entsprechungen für Lkw, Tagesordnungspunkt und ein Treffen.) Aber am vielleicht wichtigsten ist: Schweizer Unternehmen sind weit weniger hierarchisch organisiert. In einer großen Runde ist man gut beraten, dem Chef ebenso in die Augen zu sehen wie den anwesenden Assistenten.

Das geschäftliche Zusammentreffen von Menschen aus verschiedenen Kulturen wird weiter zunehmen. In den großen multinationalen Konzernen ist es schon lange Alltag. Eine Firma wie Siemens beschäftigt 400 000 Mitarbeiter in 190 Ländern. Und für einen Manager wie Christoph Berg von Philips, der sein Büro im holländischen Eindhoven hat, ist es tägliches Geschäft, mit einem amerikanischen Kollegen in Boston zu telefonieren, sich danach mit einem Softwareentwickler in Indien auszutauschen und anschließend seinen englischen Kollegen anzurufen, der auf einer Messe in Shanghai einen Vortrag über intelligente Straßenbeleuchtungssysteme gehalten hat, die sich ohne Publikumsverkehr abschalten.

Durch diese Internationalisierung von Unternehmen kommt es zu deutlich mehr interkulturellen Problemen. Sprachdefizite erschweren den Austausch. Verschiedene Erwartungen und Einstellungen führen zu Missverständnissen. Doch auch schon das oft unterschiedliche Verhandlungstempo kann der Grund dafür sein: Die eine Seite fühlt sich überfahren, die andere stöhnt über die Langsamkeit der Gesprächspartner. Die Kosten, die im Zusammenhang mit interkulturellen Konflikten entstehen, werden häufig unterschätzt – auch weil niemand sie erkennt. Scheitern Gespräche, Verhandlungen oder Projekte, werden die Ursachen in aller Regel eher in der Persönlichkeit der Beteiligten gesucht – oder eben in wirtschaftlichen Erwägungen.

Das Schlagwort zu diesen Schwierigkeiten ist „interkulturelle Kompetenz“. Im Internet stößt man auf eine schier unüberschaubare Zahl von Angeboten und Anbietern: interkulturelle Sensibilisierungstrainings, E-Coachings, Planspiele sowie zahlreiche Sprachkurse für nahezu alle Regionen der Welt stehen auf der Agenda. Interkulturelle Coachings sind ein gutes Geschäft. Tagesseminare kosten etwa 1000 Euro – pro Person wohlgemerkt. Verständlich, dass das Spektrum der Dienstleistungen mit interkultureller Thematik rasant wächst.

Aber vor der Kenntnis kultureller Eigenheiten steht der Spracherwerb. Einige Kulturen wie die Spanier sind nachsichtig, wenn der neue Partner oder Kollege ein wenig radebrecht. Chinesen sind eher verwundert, wenn sich ihr Gegenüber in Kantonesisch versucht. Die Schweizer hatten wir schon. Und viele Franzosen sind leider wenig tolerant bei falscher Aussprache und Grammatik. Zum Glück gibt es in Berlin von den Sprachinstituten vieler Länder bis hin zu Einrichtungen wie dem Carl-Duisberg-Centrum oder privaten Sprachschulen viele Anbieter, die in ihren Kursen neben der Landessprache auch Kulturspezifika vermitteln. Wer will, kann in der Hauptstadt sogar einen Sprachkurs in Myanmar belegen. Viel Spaß dabei.

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