Berlin : Kulturkampf um Leuchtstoffröhren

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Amokläufer im Parlament, Feuer im Gotthard-Tunnel, eine flügellahme Swiss Air - es sieht düster aus für die Schweiz. Thomas Borer wollte da zumindest der Schweizer Botschaft ein wenig vorweihnachtlichen Glanz verleihen: Der Botschafter lud den in Berlin lebenden spanischen Künstler Chema Alvargonzales dazu ein, die dem Bundeskanzleramt zugewandte Fassade des kargen Neubaus mit einer frohen Botschaft zu erleuchten. Seit Anfang November erstrahlen Goethes Sterbeworte "Mehr Licht" an dem Anbau, umgeben von blauen Lichtpunkten die über die Fassade verteilt schimmern.

Zum Thema Newsticker: Aktuelle Meldungen aus Berlin und Brandenburg Doch der leuchtende Appell hat einen Kunststreit ausgelöst. Mit Protest reagierten der Botschaftsarchitekt Roger Diener und der Künstler Helmut Federle, der das Beton-Relief an der Fassade beisteuerte. "Nicht nur respektlos, sondern geradezu unverschämt" findet es Federle, dass sein Kunstwerk von der Lichtinstallation überdeckt wird. Der Künstler schaltete seinen Anwalt ein und forderte das Schweizer Bundesamt für Kultur auf, die Installation wieder entfernen zu lassen.

Während sich die Schweizer Kulturwächter der Auffassung Federles bereits angeschlossen haben, wollen sich die Diplomaten in Berlin jedoch so schnell nicht beugen. Über das Außenministerium hat der Botschafter einen Anwalt beauftragt, für seine Auffassung von Kunstfreiheit zu streiten. "Der Rechtsweg wurde uns aufgezwungen", erklärt Kulturattaché Heinz Walker-Nederkoorn. Bislang hofft er aber noch auf eine gütliche Einigung. Am 26. November sollen die Streitparteien zu einer Diskussion in die Botschaft eingeladen werden.

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