Berlin : Kunstauktion unterm heiligen Kreuz Erst das Evangelium, dann die Versteigerung

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Am Blücherplatz lud gestern ein großes weißes Spruchband zur 9. Kunstauktion der Evangelischen Kirche. Die findet traditionell in der Kirche Zum Heiligen Kreuz in der Zossener Straße statt. Beim sonntäglichen Gottesdienst um 10 Uhr kündeten vorerst nur kunstvoll bemalte Regenschirme, die von oben ins Kirchenschiff herabhingen, von der wohltätigen Aktion am Nachmittag, deren Erlös Projekten für Migranten und Flüchtlinge in Berlin und Brandenburg zugute kommen soll.

Statt farbiger Gemälde erleuchtete die Herbstsonne den neugotischen Backsteinbau, in dem Pfarrer Peter Storck seine Gemeinde erfreut zum „überraschend lichten Morgen“ begrüßte. Nur ein kleine Schar mit mehr alten als jungen Zuhörern hatte auf den im Halbrund aufgestellten Stühlen Platz genommen. Eine junge Familie mit zwei Töchtern brauchte sogar fünf Stühle – die kleinen Mädchen hatten ihre Babypuppen mitgebracht. Die hielten braver still als ihre Puppenmütter. Beim Verlesen des Kapitels 2 aus dem MarkusEvangelium, in dem Jesus den Gelähmten aufstehen und heimgehen heißt, begann eine der Schwestern ihren Kirchenspaziergang. „Bewegt euch“, ermunterte der Pfarrer die jungen Gäste, denn leider habe man keine sonntägliche Kinderbetreuung anzubieten.

Den Vater der lebhaften Puppenmütter traf man nachmittags zur Kunstauktion wieder. Die beiden ärmlich gekleideten alten Männer nicht, die in Pantoffeln und Trainingshosen zum Gottesdienst gekommen waren. Die Gemeinde derer, die der Kunst-Moderator Detlef Gossleck zum Geldausgeben animierte, gehörte nachmittags mehr zum gehobenen Bildungsbürgertum als zu den seelsorgerischen Problemfällen aus dem umliegenden Kiez.

Wer Bischof Wolfgang Huber gestern die Hand drücken wollte, der musste zahlen – ein Abguss der Bischofshand gehörte zu den 131 Kunstwerken, die versteigert wurden. Huber selbst war auf der Rückreise aus China und ließ sich als Schirmherr von Propst Karlheinrich Lütcke vertreten. Der andere Schirmherr, der Künstler Kani Alavi, kam für 510 Euro unter den Hammer. „Ein iranischer Maler traut sich an märkischen Raps“, hatte Gosselck launig dessen farblich fröhlich stimmendes Bild gepriesen. Bei Klaus Hoffmanns Gitarre steigerte der Auktionator selbst mit – für 340 statt 150 Euro wurde sie sein. Da war gestern schnell klar, dass auch die 9. Kunstauktion ein Erfolg wird – mit rund 30000Euro für den guten Zweck. hema

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