Berlin : Kunstpause am Pariser Platz

Der Neubau der Akademie der Künste wird 2003 nicht mehr eröffnet. Und die künftige Finanzierung ist ungesichert

Barbara Junge

Der Neubau der Akademie der Künste an ihrem historischen Ort, dem Pariser Platz, wird in diesem Jahr wohl nicht mehr eröffnet. Eigentlich hatte die Akademie gehofft, dass noch ihr Präsident György Konrad das neue Gebäude seiner Nutzung übergeben könnte. Doch Konrad tritt im Mai nicht zur Wiederwahl als Präsident an. Und in der Akademie hat man die Hoffnung aufgegeben, bald in das Gebäude mit der lange umstrittenen Glasfassade einziehen zu können.

„Nach den vielen Verzögerungen waren wir fest davon ausgegangen, dass es nun zum Herbst 2003 etwas wird“, sagte der Sprecher der Akademie, Manfred Mayer, dem Tagesspiegel, nachdem in dieser Woche neue Probleme mit dem Bau des Hauses bekannt geworden waren. „Doch auch dieser Termin ist jetzt nicht mehr realistisch.“

Die Verschiebung bringt die Akademie in erhebliche Schwierigkeiten. Projekte, die bereits für den Pariser Platz geplant waren, müssen entweder am derzeitigen Ort der Akademie im Hanseatenweg durchgeführt, vertagt oder ganz abgesagt werden. „Diskussionsveranstaltungen kann man natürlich ohne große Probleme an den Hanseatenweg verlegen“, meint Mayer. „Aber mit Ausstellungen, die speziell für den Neubau konzipiert wurden, wird das doch sehr viel schwieriger.“ Eine Erich-Mendelsohn-Ausstellung zeigt die Akademie im Dezember anders als geplant noch am Hanseatenweg. Doch das große Projekt „Formulierungen des Raumes“ findet erst einmal nicht statt. Die Schau zeitgenössischer Werke sollte die Eröffnungsausstellung für das neue Haus sein. In den Ausstellungshallen am Pariser Platz, aber auch im Foyer und im historischen Keller.

Eine Eröffnungskonzeption ist auf der derzeitigen Grundlage aber nur schwerlich zu entwickeln. Denn Bausenator Peter Strieder (SPD) will sich inzwischen ebenfalls nicht mehr auf einen Fertigstellungstermin festlegen. Probleme mit dem Generalunternehmer des Bauprojekts und entstandene Mehrkosten könnten noch zu einem Streit vor Gericht führen, hatte er am Mittwoch im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses gesagt. „Für uns ist das eine völlig verrückte Situation“, kommentiert Mayer. „Wir können das unseren Partnern kaum noch erklären“.

Das neue Haus am Pariser Platz, ab 1907 Sitz der historischen Akademie, soll der Akademie-Hauptsitz werden. Der Hanseatenweg, in dem die West-Berliner Akademie der Künste in der geteilten Stadt ihren Sitz genommen hatte, bleibt als Ausstellungs- und Veranstaltungsort erhalten. In dem Haus in der Mitte der Stadt, das auch die Vereinigungen der Akademien von Ost und West symbolisieren soll, werden dann insbesondere auch politische Debatten und Foren veranstaltet.

Sollte das Haus 2004 tatsächlich bezugsfertig werden, stellt sich aber noch ein ganz anderes Problem: Bisher hat die Bauverwaltung nur festgehalten, dass „die Mehrkosten ab 2004 haushaltsmäßig abgesichert werden müssen“. Noch allerdings gibt es keinen Haushalt für das Jahr 2004, in dem die etwa eine Million Euro Betriebskosten, die für das neue Haus anfallen, gesichert wären. Und auch der Bund hat bisher nur eine Absichtserklärung abgegeben, die Finanzierung der Akademie ab 2004 ganz zu übernehmen. Ein Bundeshaushalt für 2004 ist längst nicht erstellt. Die Baukosten steigen, wie berichtet, um 14 Millionen Euro – durch, wie Peter Strieder sagte, „grottenschlechte Verträge“.

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