Kunstprojekt : Wedding macht 'ne Welle

Ein Kollektiv aus Skatern und Künstlern will das Stattbad wiederbeleben - nicht mit Wasser, sondern mit Holz: Eine riesige Skulptur wollen sie in das Schwimmbecken zimmern. Grund genug für einen Besuch.

Lukas Wohner
Modellbauer: Eine kleine Welle hat David Lichtenauer vom Künstlerkollektiv 3ECK schon einmal ins Stattbad mitgebracht. Bald soll das Holz das gesamte Schwimmbecken ausfüllen. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Modellbauer: Eine kleine Welle hat David Lichtenauer vom Künstlerkollektiv 3ECK schon einmal ins Stattbad mitgebracht. Bald soll...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Mit Joseph Beuys kann nicht jeder etwas anfangen – man denke nur an seine berühmte Fettecke. Das Kunstwerk, das bald im Stattbad Wedding entstehen soll, ist wohl einfacher zugänglich: Das Künstler-Kollektiv 3ECK will das alte Schwimmbecken mit einer gigantischen Welle aus Holz füllen. Das ist nicht nur ein Bezug auf die Skateboard-Subkultur, in der die Künstler ihre Wurzeln haben, sondern eben auch auf Beuys und seine Idee der "sozialen Plastik": Jeder Mensch ist ein Künstler, und alle Menschen können die Gesellschaft mit ihrem kreativen Handeln formen.

"Es geht darum, einen Ort der Ebenbürtigkeit zu schaffen", erklärt David Lichtenauer, der die Welle entworfen hat. An ihrer höchsten Stelle soll die Skulptur bis zu sechseinhalb Meter hoch werden. Jeder solle inspiriert werden und am Projekt teilhaben können, um dort seine eigenen Ideen auszuleben. Lichtenauer, der das Projekt nicht auf seine Person reduziert wissen will, sitzt auf den kalten ockerfarbenen Fliesen am Beckenrand und blickt ins Blaue. Dorthin, wo früher einmal die Bewohner des Arbeiterviertels Wedding ihre Bahnen zogen und wo in ein paar Monaten die Welle stehen soll.

Das Stattbad ist ein großer eckiger Kasten unweit des S-Bahnhofs Wedding. Ein typisches Schwimmbad mit 60er-Jahre-Ästhetik, man kennt solche Bauten. Nur dass im Stattbad seit 2001 eben nicht mehr geschwommen wird. Stattdessen finden hier seit 2009 Kunst und Kultur statt, aus dem einstigen Stadtbad Wedding wurde das Stattbad, ein Raum für Künstler, Designer, Musiker und Anwohner. Mittlerweile gibt es hier eine Bar, Ateliers und Büros, auch ein Skateboard-Museum ist im Gespräch.

Nicht alles passt ins Becken

"Das Stadtbad war immer ein Ort, an dem viel passiert ist", sagt Lichtenauer. Es habe sogar zwei Kriege durchlebt. "Hier in der Schwimmhalle hat früher das Leben getobt." Ab und zu finden auch hier Veranstaltungen statt, Ausstellungen, Konzerte und im vergangenen Jahr sogar eine Oper. Doch meist ist der Raum leer. "Wir versuchen, das Wasser in dieser eingefrorenen Form wieder in das Becken zurück zu bringen", sagt Lichtenauer und macht dazu mit der Hand eine Wellenbewegung, die in etwa der Form des Beckens entspricht. Etwa elf mal 25 Meter misst es, im unteren Teil unter dem Sprungturm ist es etwa viereinhalb Meter tief. „Es ist schwierig, etwas Sinnvolles zu finden, das man im Becken präsentieren kann“, erklärt Guillaume Trotin, der Kurator des Stattbads. "Wenn man den Raum gut ausnutzen will, muss es eine gewisse Größe haben – und das wiederum erschwert die Finanzierung."

Bühnenbildner und Skateboard-Anlagenbauer David Lichtenauer scheint im Kopf schon einmal durchzugehen, welche Manöver die Welle wagemutigen Skatern ermöglichen wird. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Bühnenbildner und Skateboard-Anlagenbauer David Lichtenauer scheint im Kopf schon einmal durchzugehen, welche Manöver die Welle...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

So war das Finanzielle auch das Hauptproblem, das die Planung der Welle maßgeblich erschwert und in die Länge gezogen hat. Bereits vor zwei Jahren entstand die Idee für die Skulptur. Wie heute stand Lichtenauer damals mit einem Freund aus dem Kollektiv im Schwimmbecken, gemeinsam überlegten sie, eine Skateboard-Rampe hineinzubauen. Dann hatte Lichtenauers Freund den Geistesblitz mit der Welle: Die Welle und das Schwimmbecken, die kalten Fliesen und der warme Baustoff Holz. Außerdem kommt das Skateboardfahren vom Surfen, Kaliforniens Skate-Pioniere nutzten damals leere Schwimmbecken zum Skaten, wenn das Wetter ihnen mal keine Wellen zum Surfen bescherte. Kurz: Es passte perfekt.

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