Berlin : Kunstwerk: 12 000 Quadratmeter wahre Liebe

Marc Mühldorfer

Einen Meter hoch stapeln sich die Briefe in dem rund 20 Qadratmeter großen Raum. Meistens bunte Liebesbriefe in Herzform, aber auch runde, eckige, gezeichnete, getippte und handgeschriebene Botschaften. Der Raum befindet sich im historischen Postfuhramt in der Oranienburger Straße - im Inneren des eigentlichen Kunstwerkes. Denn viele Einsendungen der Aktion "LoveLetters" zieren vergrößert die komplette Außenfassade des Baus.

Am 3. Juli rief der exzentrische Künstler HA Schult alle Freunde der Post dazu auf, einen Liebesbrief - an wen oder was auch immer - zu schreiben, um damit an der größten Liebes-Skulptur der Welt mitzuwirken: dem "LoveLetters-Building". Über 100 000 Werke kamen seitdem aus der ganzen Republik an. 35 000 dieser Briefe bedecken vergrößert die kompletten 12 000 Quadratmeter Außenfläche des Gebäudes. Und so unterschiedlich wie die Absender sind auch die Inhalte.

"Ich liebe meinen Max, weil er immer für mich da ist", steht auf einem weißen Blatt, dessen Rand mit Ornamenten liebevoll verziert ist. In der Mitte das Bild des Geliebten: ein brauner Kater mit grünen, gütig blickenden Augen. Die meisten Schriftstücke handeln von der Liebe zu einem Partner, aber auch Landschaften, Städten und sogar Ländern erklären manche ihre Zuneigung. Von acht bis Ende 80 sind die Einsender alt, und auch einige Prominente haben teilgenommen, etwa Udo Lindenberg, oder Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin.

Aber wie so oft im Leben, liegen auch hier Freud und Leid dicht beisammen. "Ohne Dich sind die Tage leer, die Nächte sternenlos, die Sonne ohne Strahlkraft", steht da in schwarzer Schnörkelschrift auf rosa Hintergrund an der Südseite des Gebäudes. Direkt darunter der wehmütige Brief einer älteren Dame an ihren kürzlich verstorbenen Ehemann, mit dem sie 40 Jahre verheiratet war.

Am Sonnabend wird das "LoveLetters-Building" eröffnet. Jedes Wochenende können zwischen 12 und 22 Uhr aber nicht nur die Briefe im Inneren und Äußeren betrachtet werden. Es gibt auch eine Ausstellung zur Entstehung des Kunstobjekts und zur Geschichte des Briefes. An der Eröffnung wird auch der Künstler anwesend sein und Plakate signieren.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben