Berlin : Kurven im Kaufhaus

Die Galeries Lafayette zeigen Bilder aus 50 Jahren Playboy Zur Eröffnungsparty kam Christie Hefner, die Tochter des Magazin-Erfinders

Elisabeth Binder

Erinnerung an die Zeit, als der Sex noch unschuldig war: Vier Mädchen in hochhackigen Schuhen und schwarzen Bustiers mit weißen Bommeln am Po und schwarzglänzenden Häschenohren im Haar treiben die Fotografen zur Raserei. Doch schon tut sich was in einer anderen Ecke des mit goldglänzender Folie ausgehängten Galeries-Lafayette-Foyers. Da versucht Berlins Playboy-Dino, Rolf Eden, einer aufgedrehten Blondine aus Chicago klar zu machen, dass er in Deutschland mal genau sowas war wie ihr Papa in Amerika. „Natürlich kenne ich Sie“, überrascht ihn Christie Hefner. „Ich habe viel von Ihnen gehört.“ Das kann sich Rolf Eden gar nicht vorstellen, denn anders als Hugh Hefner hat er ja kein legendäres Magazin gegründet.

Christie Hefner, die Chefin von Playboy Enterprises, ist gekommen, um mit Lafayette-Chef Thierry Prévost in der Friedrichstraße die Ausstellung „Playboy Exposed“ über „50 Jahre Playboy-Fotografie“ zu eröffnen. Es sei ihre erste Chance, die Ausstellung zu sehen, die von Schönheit, Mode und Sexualität handelt. Immer wieder betont sie, wie großartig alles ist, great, great, great, die Partnerschaft mit Lafayette, wo demnächst auch Playboy-Accessoires verkauft werden, die Weltklasse-Modestadt Berlin, die Ehre, hier zu sein und das Genie ihres Vaters in den Bildern wiederzufinden. Übrigens werde am Wochenende in L.A. dessen 80. Geburtstag gefeiert. Hinter ihr steht ein Bild des allerersten Playboy-Titelmädchens: Marilyn Monroe.

Was sich ihr Vater zum Geburtstag wünscht? Christie Hefner, deren Cocktailkleid ihre eigenen Brüste mit schwarzer Spitze schmückt, zögert keinen Moment: „Dass er sein Leben so weiter leben kann wie bisher.“ Die Managerin spricht am liebsten im Gehen, während sie sich die Ausstellung in der ersten und zweiten Etage anschaut. Unterdessen lassen sich die Gäste mit den Bunnies fotografieren. Und zählen gute Gründe auf, warum man Playboy lesen sollte. „Die Witze“, sagt einer. „Die Lebensberatung“, ein anderer. Rolf Eden, der Playopi, weiß es ganz genau: Die hochkarätigen Artikel über Welt-Affären. „Die Mädchen“, fügt er hinzu, „sind doch nur die Köder“. Die jungen Männer, die das Foyer bevölkern und auch gegen Mitternacht ihre Sonnenbrillen noch nicht absetzen, nuckeln an Strohhalmen, die in Pommery-Piccolos mit Pink Champagne stecken. Die Mädchen naschen Zuckerwatte und Erdbeeren. Oben hängt das Playmate vom Oktober 2003, ein paar Turnschuhe um den Hals geschlungen, die ihre Nippel verdecken. So unverrucht präsentiert sich Erotik heute nur noch selten.

Galeries Lafayette, bis zum 6. Mai

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