Berlin : La-Belle-Anwälte fordern Freilassung

G. K.

Als Hauptangeklagter sitzt Yasser Chraidi seit fast vier Jahren auf der Angeklagebank. Aus Sicht seiner Verteidiger zu Unrecht. Ihm sei nicht nachgewiesen worden, dass er den Anschlag auf die Diskothek "La Belle" gewollt, geplant und überwacht habe, sagte Anwalt Dirk Lammer gestern in seinem Plädoyer vor dem Landgericht. Chraidi könne allenfalls eine "Tatförderung durch psychische Unterstützung" angelastet werden. Für die mutmaßliche Bombenlegerin Verena Chanaa kamen ihre Verteidigerinnen zu dem Schluss, dass am ehesten eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung infrage komme. Konkrete Strafanträge stellten die Anwälte nicht.

Drei Menschen starben und mehr als 200 wurden zum Teil schwer verletzt, als am 5. April 1986 in der vor allem bei US-Soldaten beliebten Diskothek eine Bombe detonierte. Die Anklage geht davon aus, dass der Palästinenser Chraidi den Anschlag im Auftrag des libyschen Geheimdienstes organisierte. Nach dem Willen der Staatsanwaltschaft sollen er, Verena Chanaa, ihr ehemaliger Ehemann Ali Chanaa und der Libyer Musbah Abulgasem Eter wegen Mordes und versuchten Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt werden.

Für Chraidi beantragten seine Anwälte nun die Aufhebung des Haftbefehls. Jede möglicherweise wegen Beihilfe verhängte Strafe hätte er durch die lange Untersuchungshaft bereits verbüßt, sagte Lammer. Aussagen von Eter und Ali Chanaa gegen Chraidi bezeichnete der Anwalt als ungeeignetes Beweismittel, weil beide mehrfach nachweislich gelogen hätten. Für Verena Chanaa sagte Anwältin Margarethe von Galen, sie habe nicht damit gerechnet, dass das Paket, das sie als Denkzettel gegen amerikanische Gäste in die Diskothek bringen sollte, eine so gefährliche Bombe war.

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