Berlin : Lachen mit Angie

Am Tränenpalast genoss der Souverän das TV-Wahlduell umsonst und draußen

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Drinnen läuft die ComedyShow „Angie goes Hollywood“, draußen das TV-Duell „Angie versus Gerhard“. Wo es lustiger werden würde, war den Tränenpalast-Besuchern spätestens klar, als Moderator Thomas Kausch die CDU-Kanzlerkandidatin als „Frau Kirchhof“ ansprach.

Natürlich ist ein Fernsehduell in einem Biergarten vor allem ein UnterhaltungsEvent. Die Gäste bestellen Rotwein und Vegetarisches, begrüßen sich mit Wangen-Bussis, was darauf schließen lässt, dass vor allem Schröder-Anhänger gekommen sind. Viele Frauen sind zwar da, aber das wird Angie nicht unbedingt zum Vorteil gereichen. Hanna, 46, Sozialarbeiterin, derzeit in Australien tätig, wird wieder Grün wählen und damit Rot-Grün. Da kann sich Angie noch so anstrengen.

Der Wirt ist ziemlich gestresst vom eigenwilligen Publikum, das ständig Tische und Stühle verrückt, deutlich nach mehr Lautstärke verlangt und nach „Fish’ n’ Chips“ fragt, was nicht auf der Karte steht. Es herrscht Chaos. Erst als die amerikanisch anmutende Anmoderation aus dem Off das „große TV-Duell“ verkündet, diszipliniert sich das FernsehVolk, weil endlich die Show beginnt.

Holger, 33, kaufmännischer Angestellter, wählt immer FDP und findet die Kanzler-Schröder-Mediokratie ziemlich oberflächlich. Gekommen ist er nur, um sich das Geld für einen Theaterabend zu sparen. Das Duell ist umsonst und draußen. Mag die Mediokratie eine schlimme Entwicklung sein, vergnüglich ist sie allemal. Holger mag besonders den „Daisy-Duck-Mund“ von Sabine Christiansen. Bei Angie und Gerhard findet er wenig Positives. Dann klingelt Holgers Handy. „Sitze hier am Tränenpalast. Ja, das TV-Duell. Sind ja beide fürchterlich. Kannst noch kommen.“ Da verpufft gerade eine Schröder-Pointe über den Kirchhof und das „Volk als Versuchskaninchen“. Holger geht Bier holen.

Angie trumpft merklich auf, und je besser sie punktet, desto lässiger wird das Lächeln beim großen Kontrahenten Gerhard. Wenn Schröder seine kleinen Spottpfeile abschießt, verzieht Angie die Mundwinkel, schaut ernstlich erstaunt oder empört. Jede mimische Veränderung löst eine kleine Kicherwelle aus. Als Angie ihren ersten Versprecher landet, den „Eingangssteuersatz von 12 Euro - äh, 12 Prozent“, schämt sich niemand seiner Schadenfreude.

Hanna seufzt lustvoll, wenn Merkel redet. „Hat eben keinen Humor, die Frau.“ Holger findet, dass Angie neben Gerd immer noch wie „das kleine Mädchen wirkt“. Aber Stoiber, nee. „Der war auch nicht besser.“ Loy

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