Ladenöffnungszeiten : Berlins erster Supermarkt öffnet 24 Stunden

Am Montag startete Reichelt in Wilmersdorf den Verkauf rund um die Uhr. Der Handelsverband erwartet nur wenige Nachahmer.

Cay Dobberke
Reichelt
Trotz Streiks geöffnet: Der Reichelt-Supermarkt in der Berliner Strasse 24 in Wilmersdorf. -Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Getränke für die Party, ein Tiefkühlgericht gegen spontanen Hunger oder Brotaufstrich für das Frühstück am nächsten Morgen: Wer in Berlin mitten in der Nacht solche Einkaufswünsche hat, konnte sich bisher nur in kleinen Spätverkaufsstellen, Tankstellenshops und Bahnhofsläden eindecken. Jetzt aber öffnet Reichelt den ersten großen Supermarkt rund um die Uhr: An der Berliner Straße 24-25 in Wilmersdorf gibt es seit Montag auch nachts das ganze Sortiment. Nur sonnabends ab 23 Uhr bis montags um 8 Uhr bleibt die Filiale geschlossen. Außerdem öffnen die meisten anderen Reichelt-Märkte ab 6. August bis 22 Uhr.

Der Trend zum Lebensmittel-Spätverkauf hatte bereits kurz nach der Freigabe der werktäglichen Öffnungszeiten im vorigen November eingesetzt. Zu den Vorreitern gehörten 36 der 60 Berliner Penny-Märkte und einige Rewe-Filialen, die bis 22 Uhr öffnen – ebenso wie 17 der 18 Kaufland- und Kaufmarkt-Märkte. „Die Kundenschichten und das Einkaufsverhalten sind am späten Abend genauso wie tagsüber“, sagt Kaufland-Sprecherin Andrea Kübler. Mit den Umsätzen nach 20 Uhr „sind wir zufrieden“.

Kaiser’s, Plus und Lidl schließen die meisten Filialen bereits um 20 Uhr. Einen Spätverkauf bieten nur die Märkte in Einkaufszentren und Bahnhöfen. So kann bei Kaiser’s im Hauptbahnhof werktags von 6 bis 23 Uhr und sonntags von 8 bis 22 Uhr eingekauft werden. Lidl öffnet im Ostbahnhof und im U-Bahnhof Innsbrucker Platz täglich von 8 bis 22 Uhr. Bei Aldi geht es unübersichtlich zu: Überwiegend schließen die Filialen um 20 Uhr beziehungsweise um 16 Uhr am Sonnabend; manche Märkte öffnen dagegen bis 21 Uhr und sonnabends bis 18 oder 20 Uhr.

„Ich halte es für möglich, dass künftig zwei bis drei weitere Supermärkte rund um die Uhr verkaufen werden“, sagt Günter Päts vom Handelsverband Berlin-Brandenburg. „Aber es machen sicherlich nicht alle, das würde sich nicht rechnen.“ Auf die nächtlichen Bedürfnisse seien bereits die vielen Spätverkaufsstellen in der Stadt spezialisiert.

Die Supermarktketten Extra und Real, die beide zur Metro-Gruppe gehören, haben abends eine weitere Zielgruppe ausgemacht: „Oft erscheinen ganze Familien – weil sie erst nach 20 Uhr gemeinsam Zeit haben“, sagt Sprecher Markus Jablonski. Die Extra-Märkte öffnen donnerstags bis sonnabends bis 21 Uhr, Real verkauft in acht Filialen bis 21 oder 22 Uhr.

Bei Reichelt „ging es mit den Zeiten hin und her“, gibt Sprecher Andreas Laubig vom Mutterkonzern Edeka zu. Während und nach der Fußball-WM hatten einige Märkte länger geöffnet, später aber schloss ein Teil davon wieder früher, weil die Umsätze unbefriedigend blieben. Zum neuen Anlauf mit längeren Zeiten in 45 der 55 Reichelt-Märkte sagt Laubig, der Vorteil liege in der weitgehenden „Einheitlichkeit“, die von Kunden erwartet und verlangt werde. Und mit dem Rund-um-die-Uhr-Markt in Wilmersdorf als „Leuchtturm“ könne man gut werben.

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