Lärmbelästigung : Trendbezirke lehnen weitere Billighotels ab

18.09.2010 12:23 UhrVon Anke Myrrhe

Nächtelange Partys, schreiende Schulklassen: Neben einem Hostel zu wohnen, kann schnell nervig werden. Gegen weitere Bauvorhaben lässt sich aber nicht so leicht vorgehen.

In den Trendbezirken Friedrichshain und Kreuzberg entstand in den vorigen Jahren eine dieser billigen Unterkünfte für junge Reisende nach der anderen. Deswegen sagt Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) nun: „Wir wollen Hostels in Wohngebieten nicht mehr in der Größe zulassen.“

Zum Handeln veranlasst sieht sich Schulz, da sich das A&O-Hostel in der Boxhagener Straße aufgrund der großen Nachfrage gern vergrößern wollte. Das Haus auf einem alten Gewerbegelände wollte das Schließen einer Baulücke mit einer Aufstockung von 422 auf 650 Betten verbinden. Doch das stieß beim Bürgermeister auf Ablehnung. „Das Hostel liegt mitten in einem Wohngebiet“, sagt Schulz, der zusätzliche Lärmbelastung befürchtete – nicht nur wegen der Partys, sondern auch wegen der lauten Rollkoffer zu nächtlichen Zeiten auf dem Asphalt.

Der Bedarf des Bezirks sei gedeckt: 71 Übernachtungsstätten gibt es, mindestens 20 davon sind Hostels. Der Bezirk zählt nach Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf die meisten Übernachtungen der Stadt.

Das Argument der Lärmbelastung auf einer vielbefahrenen Hauptstraße wollte das Hostel jedoch nicht gelten lassen und legte Widerspruch beim Senat ein – mit Erfolg. Wenn der Bezirk keine Klage des Hostels riskieren wolle, müsse er das Bauvorhaben genehmigen, bestätigte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Bezirksbürgermeister Schulz signalisierte am Freitag gegenüber dem Tagesspiegel, dass man nun „keine andere Wahl“ habe, als die Genehmigung zu erteilen.

Für die Hostelbetreiber ist das höchste Zeit. „Wir verhandeln seit zwei Jahren mit dem Bezirk“, sagt Geschäftsführer Oliver Winter. Man sei Schulz entgegen gekommen, indem man das Vorhaben auf 450 Betten reduziert habe, obwohl es dafür keine Rechtsgrundlage gebe. Im Neubau entstehe zudem kein Hostel, sondern ein günstiges Hotel – wodurch es eher ruhiger werden dürfte. Im Erdgeschoss wird zudem ein Biosupermarkt gebaut.„Wir fühlten uns schikaniert“, sagt Winter. „Der grüne Bürgermeister verhindert eine Vier-Millionen-Investition wegen einem Plus von 20 Betten. Das ist Profilierungswahn ohne Rücksichtnahme auf den Nutzen für den Bezirk.“

Für das A&O-Hostel scheint die Sache ausgestanden, dennoch will Schulz in der nächsten Bezirksamtssitzung eine Art Hostelverbot durchdrücken. Nur die Sache mit den Rollkoffern bleibt unklar: Denn Backpacker haben, wie der Name schon sagt, ja meist einen „leisen“ Rucksack auf dem Rücken.

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