Bedürftige Familien : Streit um Starthilfe für Erstklässler

Etwa 25.000 Erstklässler gibt es in Berlin jedes Jahr - gut 40 Prozent davon kommen aus bedürftigen Familien. Darüber, dass diese ABC-Schützen finanzielle Hilfe bekommen sollen, ist sich die Politik einig. Doch wie hoch muss dieser Betrag sein?

Susanne Vieth-Entus

Auf Zustimmung ist gestern die Ankündigung der SPD gestoßen, bedürftige Familien bei der Anschaffung der Erstklässler-Ausrüstung zu unterstützen. Allerdings kritisierten Deutsches Kinderhilfswerk und FDP, dass die angebotenen 25 Euro nicht reichten. Die Bundes-SPD hatte zu Wochenbeginn einen Betrag von 150 Euro ins Gespräch gebracht, die Berliner Linkspartei wollte 50 Euro erübrigen. Unklar ist auch noch, wie das Geld ohne großen Verwaltungsaufwand an die Eltern weitergeleitet werden kann.

Ein erster Vorschlag von SPD-Fraktionschef Michael Müller sieht vor, das Geld direkt an die Schulen zu geben. Sie müssen ohnehin erheben, welche Kinder bedürftig sind, um sie entsprechend von der Schulbuchanschaffung zu befreien. „Im Mai weiß ich, welche Kinder zu uns kommen, im Juni ist klar, wer keine eigenen Schulbücher kaufen muss“, beschreibt Mario Dobe, Leiter der Hunsrück-Schule, den zeitlichen Ablauf. Entsprechend könnte er den Familien das Geld aushändigen. Einen Umweg über eine Gutscheinzahlung hält Dobe angesichts des geringen Betrages für unnötig. Die Linkspartei kündigte an, „dass die Modalitäten im Einvernehmen mit dem Bildungssenator geklärt werden“.

Wie berichtet, will die SPD-Fraktion insgesamt 300 000 Euro pro Jahr für das „Starterpaket“ der Erstklässler bereitstellen. Da es rund 25 000 Erstklässler gibt, von denen erfahrungsgemäß etwa 40 Prozent aus bedürftigen Familien stammen, ergäbe sich pro Kind der genannte Betrag von rund 25 Euro. Die tatsächlichen Kosten für die Erstausstattung werden vom Deutschen Kinderhilfswerk allerdings auf über 220 Euro beziffert, wenn man neben dem Ranzen auch Sportsachen, Bücher und Kleinigkeiten bis zur Schere berücksichtigt. Angesichts dieser Kosten seien 25 Euro nur ein „Tropfen auf den heißen Stein“, meinte gestern auch Mieke Senftleben (FDP). Die Linkspartei hofft, dass es über die Bundesebene noch eine Möglichkeit geben könnte nachzubessern. Susanne Vieth-Entus

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