Bildung : Schulleiter: 100 Lehrer fehlen

Die Vereinigung der Berliner Schulleiter hat Verzögerungen bei der Zuweisung von Lehrkräften an die Schulen bemängelt. Die Verwaltung sei mit der Einrichtung des neuen Schuljahres erneut so stark in Verzug, dass der pünktliche Start "ernsthaft gefährdet" sei, sagte der VBS-Vorsitzende Wolfgang Harnischfeger.

Die in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) organisierten Schulleiter befürchten, dass zum Beginn des Schuljahrs bis zu 100 Lehrerstellen in Grundschulen und im Fachunterricht der Oberschulen fehlen werden. Betroffen seien vor allem die naturwissenschaftlichen Fächer, Mathematik, Informatik, Musik und Latein. Drei Monate vor Beginn des neuen Schuljahres wüssten zahlreiche Schulen nicht, wie viele neue Lehrer sie erhalten. Bildungssenator Jürgen Zöllner hatte dagegen versprochen, die Schulen würden noch vor den Ferien informiert.

Die Vereinigung Berliner Schulleiter (VBS) kritisierte zudem, dass die Modalitäten für die Zuteilung der Lehrkräfte in diesem Jahr stark verändert wurden. Die Einhaltung des Zeitplans hätte die gesamte Aufmerksamkeit erfordert, sagte Harnischfeger. Das System sei zudem „unflexibel, ungerecht und bringt mehr Stress in die Schulen“. Das VBS-Vorstandsmitglied Lothar Semmel sagte, an die Stelle einer klar definierten Lehrerzuweisung sei mit dem sogenannten Dispositionspool eine „deutlich verstärkte Abhängigkeit vom Wohlwollen der bezirklichen Schulaufsicht getreten“. Als besonders nachteilig erweise sich die Regelung, dass erst ab einem Anteil von je 40 Prozent nichtdeutscher oder sozial schwacher Schüler die Poolausgleichsregelung greift.

Verlierer in diesem System seien alle Schulen mit großen Klassen, vielen Projekten und sonderpädagogischer Förderung, betonte Harnischfeger. Es finde auch eine Verschiebung von belasteten zu weniger belasteten Schulen statt. Vor allem die Schulen in Neukölln und Kreuzberg stünden vor erheblichen Problemen. Das bringe „Unruhe und Stress und weniger Gerechtigkeit an die Schulen“, betonte auch die Leiterin der Werbellin-Grundschule in Schöneberg, Ellen Hansen. Künftig bekämen nur noch Schulen mit mehr als 40 Prozent Schülern nichtdeutscher Herkunft zusätzliche Stunden für Sprachförderung und Integration. Das führe dazu, dass Schulen mit hohen Klassenfrequenzen und vielen Teilungsstunden zwischen drei bis acht Lehrerstellen einbüßten, sagte Schulleiter Harnischfeger.

Der bildungspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Özcan Mutlu, kritisierte, fünf Wochen vor den Ferien sei die Unsicherheit bei der Lehrerzuweisung „größer denn je“. Er forderte, sicherzustellen, dass allen Berliner Schulen eine Personalausstattung zur Verfügung steht, die einen guten Unterricht ermöglicht. Tsp/ddp

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