Friedbert Pflüger : Es gibt ein Leben nach der Politik

CDU-Kandidat Friedbert Pflüger sucht einen neuen Job. Die West-Berliner Unsitte, nicht mehr benötigte Politiker in die Vorstände öffentlicher Unternehmen zu setzen ist längst vorbei. Was andere Parteikollegen nach dem Karriereknick machten

Ulrich Zawatka-Gerlach
Pflüger Foto: dpa
Was wird aus Friedbert Pflüger? Die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus wird über seine Zukunft befinden. -Foto: dpa

Das sagt der Volksmund über Politiker, deren Karriere jäh endet, so wie jetzt bei Friedbert Pflüger: „Die finden doch alle wieder ein warmes Plätzchen“. Ausnahmen bestätigen aber die Regel. Denn der frühere CDU-Spitzenkandidat und Fraktionschef hat offenbar Probleme, einen neuen Job oder ein neues Amt zu finden. Manchmal hilft in solchen Fällen die eigene Partei, aber nicht immer, und viele Ex-Politiker kommen auch aus eigener Kraft wieder auf die Beine. Das sind jedenfalls die Erfahrungen in Berlin.

Zum Beispiel zahlt es sich aus, Rechtswissenschaften studiert zu haben. Volljuristen werden überall gebraucht. Wenn nicht in der Politik oder in der öffentlichen Verwaltung, dann eben als Anwalt. So ging der frühere Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) nach seinem Sturz 2001 durch Rot-Rot-Grün infolge des Bankenskandals in die große Kanzlei Thümmel, Schütze & Partner, als Spezialist für Wirtschafts- und Vergaberecht. Auch Nikolas Zimmer, der von Pflüger als CDU-Fraktionschef abgelöst wurde, konzentriert sich seit zwei Jahren auf seinen Beruf als Rechtsanwalt für Immobilien- und internationales Privatrecht. Die Ex-Justizsenatorinnen Karin Schubert und Lore-Marie Peschel-Gutzeit (beide SPD) haben am Kudamm sogar eine gemeinsame Kanzlei.

Andere zieht es in die private Wirtschaft. So engagierte sich Frank Steffel, als ihn die CDU als Fraktionsvorsitzenden und Spitzenkandidaten nicht mehr brauchte, wieder erfolgreich im Reinickendorfer Familienunternehmen, einem Großhandel für Raumausstattung. Der frühere SPD-Landeschef und Bausenator Peter Strieder, der 2004 nach der Tempodrom-Affäre zurücktreten musste, kümmert sich beim PR-Großunternehmen Pleon um die Kommunikationsberatung bei Rechtsstreitigkeiten. Ex-Finanzsenator Peter Kurth (CDU) wiederum sitzt in der Chefetage des Dienstleistungskonzerns Alba, seine Nachfolgerin Christiane Krajewski (SPD) ist heute Investmentbankerin in Frankfurt/Main und der ehemalige Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner ging 2001 zu Microsoft Deutschland, dann wurde er Unternehmensberater. Auch Ditmar Staffelt, der 1994 als SPD-Landes- und Fraktionschef das Handtuch warf, wurde zuerst Manager bei der Hölter AG, ging dann in den Bundestag und tritt Anfang 2009 einen führenden Posten beim Luftfahrtkonzern EADS an.

Nennenswert ist auch die Abteilung Kultur, Jugend und Sport. Christoph Stölzl (CDU), einst Kultursenator und 2002/03 Landeschef der CDU, wurde Honorarprofessor an der FU, dann Kurator der Stadt Braunschweig, übernahm 2006 die Leitung der Villa Grisebach Auktionen und kümmert sich nun um die Stiftung des bayerischen Immobilienunternehmers Ernst Freiberger und dessen „Forum an der Museumsinsel“. Dagegen ließ es Ex-Schulsenator Klaus Böger (SPD) nach seinem – nicht ganz freiwilligen – Abschied 2006 ruhig angehen. Demnächst soll er aber Präsident des Landessportbundes werden. Seine Vorgängerin Ingrid Stahmer (SPD), die in den neunziger Jahren auch mal erfolglose SPD-Spitzenkandidatin in Berlin war, betreibt seit Jahren eine Führungskräfteberatung – und Stahmers Amtsvorgänger Thomas Krüger (SPD) ist Präsident der Bundeszentrale für Politische Bildung und des Deutschen Kinderhilfswerks.

Mit der West-Berliner Unsitte, nicht mehr benötigte Politiker in den Vorständen oder Aufsichtsgremien öffentlicher Unternehmen unterzubringen, ist es inzwischen vorbei. Zuletzt machte Ex-Staatssekretär Frank Bielka (SPD) Schlagzeilen, als er 2003 auf den Chefsessel des kommunalen Wohnungsunternehmens Degewo wechselte. Der frühere Bausenator Wolfgang Nagel, der danach in die private Immobilienwirtschaft ging, sitzt noch im Aufsichtsrat der Wohnungsbaugesellschaft Gewobag. Und Klaus Riebschläger, vor Jahrzehnten Finanzsenator und seitdem erfolgreicher Rechtsanwalt, ist Mitglied im Aufsichtsrat des landeseigenen Klinikkonzerns Vivantes.

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