Gesundheitsbericht : Die dicken Kinder von Berlin

Mehr als jedes zehnte Berliner Kind im Einschulalter ist nach dem aktuellen Kindergesundheitsbericht übergewichtig.

Michael Winckler
Kinder Übergewicht
Foto: ddp

BerlinMehr als jedes zehnte Berliner Kind im Einschulalter ist nach dem aktuellen Kindergesundheitsbericht zu dick. Hier bestünde weiter dringender Handlungsbedarf, sagte Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linkspartei/PDS) bei der Vorstellung des Berichts. Mehrheitlich seien die Kinder zum Zeitpunkt der Einschulungsuntersuchung aber in guter gesundheitlicher Lage. Diesem Befund widersprachen die Grünen vehement und forderten konkrete Standards für die Kindergesundheit.

Wie aus dem Kindergesundheitsbericht hervorgeht, den Lompscher auf der vierten Landesgesundheitskonferenz vorstellte, sind zwölf Prozent der Berliner Kinder im Einschulalter übergewichtig. Darunter seien fünf Prozent fettleibig. Diese Daten seien im Vergleich zu den Vorjahren weitgehend konstant, fügte Lompscher hinzu.

Nach der derzeitigen bundesweiten Datenlage steige der Anteil übergewichtiger und fettleibiger Kinder ab dem Grundschulalter stark an. Daher sei eine aktive Gesundheitsförderung bereits im frühen Kindesalter notwendig, um so viele Kinder wie möglich zu Erwachsenen ohne Gewichtsprobleme heranwachsen zu lassen, sagte Lompscher.

Elf Prozent mit "auffälligen Befunden"

Auch bei den Sprachentwicklungstests wurden bei elf Prozent aller Einschüler "auffällige Befunde" gemacht. Bei einer Kitabesuchsdauer von mehr als zwei Jahren wiesen nur halb so viele Kinder auffällige Befunde in diesen Tests auf, sagte Lompscher. Der Kita-Besuch sei also auch aus Gesundheitsaspekten zu empfehlen.

Insgesamt mache der Kindergesundheitsbericht deutlich, dass der aktuelle Gesundheitsstatus, das familiäre Gesundheitsverhalten und die Chancen für Gesundheit in den Bevölkerungsgruppen unterschiedlich verteilt seien, ergänzte Lompscher. Generell seien Kinder aus sozial benachteiligten Verhältnisse stärker von gesundheitlichen Problemen und Gefährdungen betroffen.

Daten von 27.684 Kindern ausgewertet

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, Heidi Kosche, kritisierte, der rot-rote Senat habe bisher keine ernsthaften Konsequenzen aus den jährlichen Kindergesundheitsberichten gezogen. "Im Gegenteil: Im öffentlichen Gesundheitsdienst wurde so gekürzt, dass präventive Erstbesuche bei Neugeborenen und Reihenuntersuchungen in den Kitas schon lange nicht mehr flächendeckend durchgeführt werden." Kosche forderte, dass auf der Landesgesundheitskonferenz konkrete Standards für die Verbesserung der Gesundheit der Kinder in Berlin definiert und umgesetzt werden.

Für den Kindergesundheitsbericht wurden die Daten der Einschulungsuntersuchungen 2005 von 27.684 Kindern ausgewertet. 53 Prozent von ihnen sind Jungen und 47 Prozent Mädchen. Einen Migrationshintergrund haben 30 Prozent aller untersuchten Kinder.

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