Gleichberechtigung : Senat will mehr Frauen als Chefs

Noch immer werden Führungspositionen vor allem von Männern besetzt. Der Berliner Senat will jetzt etwas dagegen unternehmen.

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Eine Frau räumt auf. Vera Gäde-Butzlaff, Chefin der Berliner Stadtreinigung, gehört zu den wenigen weiblichen Führungskräften in...Foto: Thilo Rückeis

„Mit Nachdruck“ will der Senat dafür sorgen, dass mehr Frauen Führungspositionen in der Privatwirtschaft und in Einrichtungen der öffentlichen Hand erreichen. Das geht aus einem Bericht des Frauensenators Harald Wolf (Linke) an den Senat hervor. Dem Bericht zufolge ist der Anteil der Frauen in Aufsichtsräten von 2004 bis 2009 von 16 auf 39,4 Prozent gestiegen. Der Anteil weiblicher Führungkräfte in den Geschäftsführungen von Unternehmen, an denen das Land beteiligt ist, liegt laut Wolf allerdings bei nur 10,1 Prozent. Das ist dem Senator zufolge eine „gravierende Unterbesetzung“.

Anlass für Wolfs Bericht war Kritik am Senat nach der Neubesetzung des IBB-Vorstands. Wolf hatte sich für Ulrich Kissing als neuen Chef der Investitionsbank entschieden und sich damit fraktionsübergreifende Kritik vieler Frauen im Abgeordnetenhaus eingehandelt. Dass es schwer ist, Frauen für Vorstandsjobs zu gewinnen, liegt Wolf zufolge an der noch immer stärkeren Familienorientierung von Frauen. Mit Hinweis auf den IBB- Chefposten sagte Wolf, eine Personalagentur habe Gespräche mit 20 Frauen geführt. Männer aus dem ganzen Bundesgebiet hätten im Gespräch gesägt, sie stünden von Montagmorgen bis Freitagabend zur Verfügung; das Wochenende würden sie mit der Familie verbringen. Frauen dagegen sagten, familiäre Verpflichtungen sprächen gegen einen Vorstandsposten.

Um dennoch mehr Kandidaten für Frauen in Führungsjobs zu finden, will Wolf nun das Landesgleichstellungsgesetz ändern lassen. Der Senator sieht Klarstellungsbedarf bei der Ausschreibung von Führungspositionen. Er stellt sich eine Passage vor, derzufolge bei Aufträgen des Landes auch Personalagenturen angehalten werden sollen, Frauen „gezielt anzusprechen“.

Die frauenpolitische Sprecherin der Grünen, Anja Kofbinger, warf Wolf am Dienstag abermals Versagen vor. „Durch fortgesetzten Gesetzesbruch“ habe es Wolf geschafft, Frauen aus wichtigen Vorstandspositionen „konsequent fernzuhalten“. Wolfs Wort von der Unterbesetzung kommentierte sie mit dem Satz, unterbesetzt sei vor allem der Posten des Frauensenators. (wvb.)

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