Jugendbereich : Mitte muss 26 Millionen Euro einsparen

Mittes Stadtrat Rainer-Maria Fritsch legt eine Streichliste im Jugendbereich vor. Zahlreiche Projekte sind bedroht.

Rita Nikolow

In Mitte sieht es finster aus – zumindest finanziell: 26 Millionen Euro muss der Bezirk bis zum Ende des Jahres einsparen, sonst droht ihm 2010 die Zwangsverwaltung. Rainer-Maria Fritsch, der bezirkliche Stadtrat für Jugend und Finanzen, muss deshalb allein im Jugendbereich rund 2,5 Millionen Euro streichen.

Seine Vorstellungen darüber, welche Einrichtungen Einschnitte verkraften oder ganz zumachen müssen, hat Fritsch am Freitag vorgelegt: Ob der Rotstift allerdings genau an diesen Punkten angesetzt wird, ist noch nicht sicher – denn seine Sparpläne werden Anfang September zunächst im Jugendhilfeausschuss beraten, und zwei Wochen darauf in der Bezirksverordnetenversammlung.

Der Jugendstadtrat plant unter anderem, die schulbezogene Jugendsozialarbeit des Stadtteilvereins Tiergarten Süd in der Pohlstraße aufzugeben, und auch das „Projekt Huttenkids und Co“, das von der Diakoniegemeinschaft Bethania getragen wird. Auch ein Suchtprophylaxe-Projekt der Arbeiterwohlfahrt sowie den Jugendmigrationsdienst des Trägers In Via will Fritsch streichen. Der Migrationsdienst unterstützt Jugendliche und junge Erwachsene, die neu zugewandert sind oder einen Migrationshintergrund haben, bei ihrer schulischen, beruflichen und sozialen Eingliederung.

Ganz aufgegeben werden sollen im nächsten Jahr außerdem die Jugendfreizeiteinrichtung Schönwalder Straße und das Projekt „Lele“ (Leben Lernen), das der Förderverein für arbeitslose Jugendliche organisiert. Auslaufen soll laut Fritsch im kommenden Jahr auch das „Platzmanagement Alexanderplatz“, das die Stiftung SPI Berlin betreibt und das unter anderem Kontakt zu Jugendlichen aufnimmt, die sich regelmäßig am Alex aufhalten.

Mehrere Einrichtungen, darunter das Weinmeisterhaus und der Schulgarten Moabit, haben sich bereits im Vorfeld gegen Fritschs Sparkurs gewehrt, Protestbriefe geschrieben und auf der letzten Sitzung des Jugendhilfeausschusses vorgesprochen. Der Jugendstadtrat plant dennoch weiterhin, das Weinmeisterhaus zu schließen – und das Gebäude anderweitig zu vermarkten und voraussichtlich zu vermieten. Die Kurse, die dort bislang angeboten wurden, sollen ab dem nächsten Jahr deshalb anderswo stattfinden, im Gespräch ist zum Beispiel eine Schule im Brunnenviertel.

Auf der Streichliste des Jugendstadtrats stehen auch weiterhin die Freizeitangebote im „Schulgarten Moabit“, die im vergangenen Jahr von rund 5000 Besuchern genutzt wurden. Obwohl Fritsch einräumt, dass dieses Angebot „für einen Innenstadtbezirk als wertvoll zu betrachten“ sei.

Zu den vom Jugendstadtrat ausgewählten Projekten wollte sich BVV-Mitglied Michael Böttrich, der für die Grünen im Jugendhilfeausschuss sitzt, am Freitag noch nicht äußern. „Wir werden uns die Regionen, Träger und Projekte in den Sitzungen Anfang September in Ruhe angucken“, sagte er dem Tagesspiegel. Wobei Streichungen im Jugendbereich natürlich generell eine „harte Sache“ seien.

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