Ortstermin : Zukunft des Metropolisten Wowereit

Klaus Wowereit ist nicht Regierender Bürgermeister Berlins, sondern er sitzt auch der so genannten Metropolenkommission der SPD vor. Das Gremium soll sich um die Probleme der großen Ballungsräume kümmern. Hans Monath hat einen Auftritt Wowereits zu diesem Thema beobachtet.

BerlinDas Podium im Willy-Brandt- Haus gehört ihm allein. Freie Redezeit für Klaus Wowereit. Seit fast 30 Minuten spricht der Regierende Bürgermeister schon über die Zukunft der Großstädte, über Migration, Fortschritt, Bildung und Kultur. Je länger er redet, umso mehr scheinen Deutschland und Berlin eins zu werden. „Im Prinzip“, sagt Wowereit, „ist Metropolenregion heute von Rügen bis zur Zugpitze.“

Der Regierende Bürgermeister aber regiert mit einer Stimme Mehrheit nur von Frohnau bis Köpenick. Nicht weiter. Noch nicht. Jetzt steht er im dunkelgrauen Anzug neben SPD-Chef Franz Müntefering im Atrium der Parteizentrale und nimmt sich seine Zeit. Es ist ein Generationenbild: Müntefering ist 69, Wowereit 55. Irgendwann wird der Ältere gehen, Platz machen für Jüngere.

Wenn es um mediale Naturtalente geht, um populäre Machtpolitiker, dann hat die SPD für einen Neustart nach der Bundestagswahl kaum jemanden aufzubieten als Sigmar Gabriel und eben Wowereit. Stellvertretender SPD-Chef ist er zwar nicht geworden. Aber Chef der Metropolenkommission. Auch das lässt sich nutzen, wie er am Mikrofon beweist.

Über seinen Drang auf die große Bühne der Bundespolitik reden Sozialdemokraten gern: Er hat sich mit Björn Böhning einen Ex-Juso-Chef und Wortführer des linken Flügels der SPD als Berater ins Rote Rathaus geholt. Richard Meng, einen erfahrenen Korrespondenten für Bundespolitik, machte er zum Senatssprecher. Auch Gerhard Schröder, wie Wowereit Instinktpolitiker, brauchte in der zweiten Amtszeit nur wenige Vertraute.

Es geht nicht nur um die SPD-Linke, es geht um Wowereits politische Zukunft und um strategische Möglichkeiten der SPD jenseits der Bundestagswahlen: Dem Chef einer rot-roten Landesregierung kommt fast naturgemäß eine wichtige Rolle zu, wenn die SPD auch im Bund den Tanz mit der Linkspartei wagen sollte. Dann wird ein Wahlkämpfer gesucht, dem man die Bändigung des neuen Partners auch zutraut.

Wenn ein Thema im politischen Berlin als langweilig gilt, fragt kein Journalist nach. Als Wowereit nach 40 Minuten seinen Auftritt ausgekostet hat, kommt keine einzige Frage zum Metropolenkonzept. Stattdessen wird Müntefering zu Steuersenkungen befragt.

Wowereit lässt sich nichts anmerken. Er schaut über die Köpfe der Journalisten hinweg nach hinten zur Willy-Brandt-Statue. Dann ist die Pressekonferenz zu Ende. Wowereit eilt vom Podium. Es wird ganz sicher nicht sein letzter Auftritt im Willy-Brandt-Haus gewesen sein.

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