Pankow : Frank Henkel besucht Berliner Schulen

Der CDU-Spitzenkandidat plädiert bei seinen Besuchen im Klassenzimmer für Vielfalt im Bildungswesen. Lehrermangel, marode Gebäude, Unterrichtsausfall, Notstundenpläne: Die vier Begriffe umreißen, was Henkel am Berliner Schulwesen kritisiert und ändern will.

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Mittendrin. An der Richard-Keller-Schule in Reinickendorf lernen Kinder mit besonderem Förderungsbedarf in kleinen Klassen. CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel plädierte bei einem Besuch für die Erhaltung von Sonderschulen.
Mittendrin. An der Richard-Keller-Schule in Reinickendorf lernen Kinder mit besonderem Förderungsbedarf in kleinen Klassen....Foto: Kitty Kleist-Heinrich

„Den Geruch kenn’ ich noch“, sagt Frank Henkel und lacht, als er die Stufen eines Plattenbaus hochsteigt, der zur Rosa-Luxemburg-Oberschule in Pankow gehört. Das Treppenhaus des Plattenbaus atmet noch ein wenig das Aroma, das von Kunststoff-Böden aus DDR-Produktion ausging. Henkels Bemerkung erinnert daran, dass der CDU-Spitzenkandidat in Ost-Berlin zur Schule gegangen ist, bevor er mit seinen Eltern nach jahrelanger Wartezeit aus der DDR ausreisen konnte. Aber darum geht es jetzt nicht. Schulleiter Ralf Treptow will Henkel zeigen, wo ein Teil seiner Schüler lernen muss: in einem Gebäude, dessen Eingang mit einem Holzgerüst gegen herabfallende Fassadenteile gesichert ist.

Treptow ist ein temperamentvoller Mann. Noch keine zehn Minuten steht Henkel in der zugigen Halle der Pankower Oberschule, der letzten Station auf einer Tagestour durch die Berliner Bildungslandschaft, da hat Schulleiter Treptow schon eine Serie böser Bemerkungen über den Zustand des Berliner Schulwesens gemacht. „Die Strukturen stimmen nicht“, sagt er und meint damit nicht allein die Umwege der Lehrerrekrutierung, er meint auch die Vergabe von Geldmitteln für die bauliche Unterhaltung der Schulen. 870 Schüler besuchen die Rosa-Luxemburg-Oberschule, es waren mal 970, doch so viele kann Treptow wegen des Plattenbau-Problems nicht unter bringen. Jedes Jahr, so sagt er, würden sich 360 Schüler bewerben, 120 könne er nehmen. Eins der Probleme seiner Schule in aller Kürze: Ein Drittel der Räume gesperrt, dafür 300 Prozent Nachfrage.

Henkel und der große Mann mit der Kurzhaarfrisur verstehen sich. Das hängt auch mit einem Schwenk in der CDU-Programmatik zusammen. Vor anderthalb Wochen hatte Henkel in seiner Rede zur Spitzenkandidatur angekündigt, ein CDU-geführter Senat wolle Berliner Lehrer wieder verbeamten. Treptow stimmt dem heftig zu: „Weltfremd“ sei die Haltung des Senats, dass alle anderen Bundesländer dem Berliner Beispiel der Nicht-Verbeamtung irgendwann mal folgen würden.

Lehrermangel, marode Gebäude, Unterrichtsausfall, Notstundenpläne: Die vier Begriffe umreißen, was Henkel am Berliner Schulwesen kritisiert und ändern will. Zwei Stunden vorher hatte Henkel in Hermsdorf eine Sonderschule besucht. Sascha Steuer, CDU-Bildungspolitiker, erklärt den Zusammenhang: Bildungspolitiker diskutieren unter dem Stichwort „Inklusion“, ob Sonderschulen eine eigenständige Zukunft haben sollen – oder ob ihre Schüler in den normalen Schulbetrieb eingegliedert werden sollen, pädagogische Zusatzausstattung vorausgesetzt. Das, so Steuer, sei die Tendenz beim Senat. In der Richard-Keller-Schule sehen Henkel und Steuer einer Gruppe von sieben Jungen zu, die „Einkaufen“ spielen und dabei etwas rechnen lernen. Es sind Heimkinder, ihre Bedürfnisse an Förderung und Zuwendung sind, kurz gesagt, enorm. Diese Kinder auf normale Schulen schicken, um Sonderschulen zu schließen? Es gehe, sagt Henkel mit Blick auf die Senatspolitik, immer um dasselbe Problem: „Gleichmacherei funktioniert nicht.“

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