Verkehrsbetriebe : BVG-Chef muss gehen

Der Vertrag von BVG-Vorstand Andreas Sturmowski wird nicht verlängert. Vor allem Finanzsenator Ulrich Nußbaum soll gegen eine weitere Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Bahnmanager gewesen sein. Die Nachfolge ist noch offen.

Klaus Kurpjuweit
Sturmowski
Andreas Sturmowski -Foto: ddp

Noch BVG-Chef Andreas Sturmowski erhielt den Anruf am Mittwoch früh auf seiner Dienstreise in Dubai. Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos), der Aufsichtsratsvorsitzender bei dem Verkehrsunternehmen ist, teilte Sturmowski mit, dass sein Vertrag nicht verlängert wird. Er läuft in einem Jahr aus. Die bisher pro Jahr mit rund 387 000 Euro dotierte Stelle muss nun nach den Vorgaben des Landes offiziell ausgeschrieben werden. Bisher wurden die Chefs der landeseigenen Unternehmen hinter verschlossenen Türen von Personalberatern gesucht.

Nußbaum wirft dem unter seinem Vorgänger Thilo Sarrazin (SPD) 2005 geholten Sturmowski dem Vernehmen nach vor allem vor, rund 200 Millionen Euro in den Sand gesetzt zu haben. Wegen dubioser Finanzaktionen mit einer englischen Bank musste die BVG im vergangenen Jahr in der Bilanz 156,3 Millionen Euro zurückstellen, was wesentlich zum Verlust in Höhe von 246,1 Millionen Euro führte. Allerdings führt die BVG noch einen Rechtsstreit mit der Bank.

Umstritten ist auch das Vorgehen der BVG beim Umzug der Hauptverwaltung von der Potsdamer Straße in Schöneberg in das Trias-Gebäude an der Holzmarktstraße in Mitte. Dabei hatte die BVG das angestrebte Sparpotenzial bei Weitem verfehlt. Zudem wird dem Vorstand vorgeworfen, den Ablauf der Verhandlungen nicht exakt protokolliert zu haben. Auch bei der Frage von Fahrpreiserhöhungen habe sich Sturmowski ungeschickt verhalten, heißt es. Zur Unzeit habe er Preiserhöhungen vorgeschlagen. Als Nußbaum sich auch dafür ausgesprochen hatte, konterte die BVG mit der Ankündigung, man werde 2010 wegen des S-Bahn-Desasters auf höhere Preise verzichten. Auch das „neue“ Konzept, mit Preissteigerungen von 2011 an sowie zusätzlichen Fahrgästen den Verlust zu begrenzen, habe nicht überzeugt.

Insgesamt gebe es in der BVG zu viele strukturelle Probleme, Abläufe funktionierten nicht wie erforderlich, sagen Kritiker. Statt zu sparen, sei die zweite und dritte Leitungsebene unter Sturmowski aufgebläht worden, obwohl der Rechnungshof schon vor Jahren die üppig dotierten Verträge kritisiert hatte.

In der Koalition hatte das CDU-Mitglied Sturmowski den Rückhalt vor allem bei den Linken längst verloren. Deren verkehrspolitische Sprecherin Jutta Matuschek hatte sich mehrfach offen dagegen ausgesprochen, den Vertrag zu verlängern. Aber auch in der SPD hat Sturmowski außer Sarrazin kaum Freunde. Dass der Vertrag nicht verlängert wird, stellte gestern auch die FDP zufrieden. Nach Ansicht der CDU wird ihr Parteifreund dagegen zum „Bauernopfer für die Fehlleistungen des ehemaligen Aufsichtsratschefs Sarrazin“ gemacht, der auch dem umstrittenen Bankgeschäft zugestimmt hatte.

Sturmowski will seinen Vertrag erfüllen, wenn man ihn lasse, wie er am Mittwoch sagte. Weiter wollte er sich nicht äußern. Chancen, den Vorsitz beim Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zu übernehmen, was er angestrebt hatte, gibt es mit dem auslaufenden BVG-Vertrag dagegen kaum noch.

Zuletzt war es immer schwer gewesen, geeignete Kandidaten für den Leitungsposten des hoch verschuldeten Unternehmens BVG zu finden. Hier gibt man sich im Umfeld von Nußbaum aber optimistisch.

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