"Zukunftwerkstatt Integration" : Auch Provokationen sollen der Integration dienen

Klaus Wowereit lädt als SPD-Vize zur Debatte über den Umgang mit Einwanderern ein. Gesucht wird nach neuen Ideen, deutliche Worte sind ausdrücklich erwünscht.

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Bunte Zukunft. Klaus Wowereit, hier bei der Eröffnung eines Spielplatzes in Kreuzberg im vergangenen Jahr, will als stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender der Debatte um die Integration von Zuwanderern neue Impulse geben. Foto: Davids/Domanski
Bunte Zukunft. Klaus Wowereit, hier bei der Eröffnung eines Spielplatzes in Kreuzberg im vergangenen Jahr, will als...Foto: DAVIDS

Die SPD will der Integrationspolitik mit einer Reihe von Veranstaltungen neue Impulse geben. Das kündigte Klaus Wowereit in seiner Eigenschaft als stellvertretender SPD-Vorsitzender am Donnerstag an. Wowereit leitet die SPD-„Zukunftswerkstatt Integration“ zusammen mit Kenan Kolat, dem Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Deutschland.

Um Integration – so beschrieb Wowereit die Perspektive seiner Partei – gehe es nicht nur Einwanderern. Eine alleinerziehende Mutter mit vier Kindern in Marzahn könne sich ähnlich ausgegrenzt fühlen wie eine türkische Familie oder eine Rentnerin, deren Rente kaum zum Leben reicht. Dass Integration für viele Einwanderer zum Problem geworden sei, habe mit der sozialen Entwicklung in Deutschland zu tun. „Das eigentliche Problem ist die soziale Schieflage“, sagte Wowereit.

In der „Zukunftswerkstatt“ sollen weniger Gesetzesanträge als neue Perspektiven entwickelt werden. So könnten Projekte aus der Migrationspolitik wie etwa die Neuköllner „Stadtteilmütter“ auf andere gesellschaftliche Gruppen übertragen werden. „Deutsche Familien müssen genauso an die Hand genommen und betreut werden“, sagte Wowereit. Bürgerschaftliches Engagement könne vor allem den erfolgreich integrierten türkischen Einwanderern noch nähergebracht werden. Natürlich müssten türkische Unternehmer ausbilden, „vielleicht auch überproportional“, sagte Wowereit.

Kolat befand, es sei gut, dass sich in der SPD „einiges bewegt“ habe im Umgang mit den Einwanderern. Er will mit der Zukunftswerkstatt zum Beispiel die erfolgreich in der deutschen Gesellschaft angekommenen türkischen Einwanderer erreichen. Viele, sagte Kolat, seien die Streitereien über Integration leid und sagten, sie hätten doch alles getan, um sich zu integrieren. Daneben gelte es, den Aufstiegswillen vieler Einwanderer wahrzunehmen und zu stärken. Dann werde deutlicher, dass Integration ein Thema sei, das die Gesellschaft insgesamt betreffe, nicht nur die Migranten.

Die erste Veranstaltung der Zukunftswerkstatt soll als „Treffpunkt Integration“ am kommenden Montag im Willy-Brandt-Haus, der SPD-Parteizentrale, stattfinden. Integration soll zunächst aus wissenschaftlicher Perspektive diskutiert werden, im Anschluss ist Streit über „Integration im Alltag“ angesagt. Zu der Runde sei zum Beispiel der Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky eingeladen, sagte Wowereit. Das zeige, dass es in der Zukunftswerkstatt nicht um „absolute politische Korrektheit“ gehe und dass Provokationen erwünscht seien. Auf eine Prognose, wie lange Integration und der Umgang mit Einwanderern strittig bleiben wird, wollte sich Wowereit nicht einlassen.

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