Landgericht : Kannibalismus-Prozess in Berlin

Getrieben von Kannibalismusfantasien soll ein 41- jähriger Anstreicher im letzten Oktober seinen Sexualpartner geschlachtet und den Penis zum späteren Verzehr im Kühlschrank gelagert haben. Seit heute steht er wegen Sexualmordes vor dem Berliner Landgericht.

Berlin (03.05.2005, 13:59 Uhr) - «Ich schäme mich und wage es nicht, mich bei den Angehörigen zu entschuldigen», erklärte der Täter aus Berlin-Neukölln über seinen Anwalt. Die Mutter des ermordeten Musiklehrers saß dem Angeklagten erstaunlich gefasst gegenüber.

Seit 15 Jahren hatte der im niedersächsischen Sulingen geborene Maler Kannibalismusfantasien. «Ich fürchte mich vor der dunklen Seite meiner Persönlichkeit, aber sie übt auch Faszination auf mich aus», hieß es im schriftlichen Geständnis. Nach dem Kannibalismusfall von Rotenburg habe der Angeklagte Blut geleckt, sagt sein Anwalt Detlev Binder. Die Kannibalenszene im Internet habe Gier erzeugt, er habe den Kick gesucht. Von seinem Opfer habe er aber nichts gegessen, weil er es selber abscheulich fand, erklärte Binder am Rande des Prozesses. Der Angeklagte habe festgestellt, dass er das Lustgefühl seiner Fantasie in der Realität nicht empfand.

Der Kontakt zu dem Lehrer aus dem Stadtteil Friedenau lief über das Internet, aber es ging nicht um Kannibalismus, betonte einer der Anwälte. Am 4. Oktober fesselte der Angeklagte den Pfarrerssohn in seiner Wohnung und stach unvermittelt mit einem Schraubenzieher zu, um sich bei der späteren Schlachtung sexuell zu befriedigen, verlas der Staatsanwalt die Anklage. Der Mann öffnete den Leichnam und entfernte innere Organe, heißt es weiter.

Nach Angaben der Verteidigung hatte das Opfer keinerlei Mitschuld. Der Angeklagte habe in einer Art Rauschzustand gehandelt und wisse, dass er schwere Schuld auf sich geladen habe. Nach dem bisherigen Gutachten sei von einer verminderten Schuldfähigkeit auszugehen. Der Angeklagte bedauere, dass er sich nicht rechtzeitig habe behandeln lassen. Er hoffe, mit Hilfe von Ärzten eines Tages ein normales Leben führen zu können. Sein Anwalt beschreibt ihn als schüchtern, unsicher, als einen Außenseiter, der von keinem geliebt wird. Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt. (tso)

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