Berlin : Lange Nacht der Museen: Yoko Ono mit Eisenbahnwagen auf dem Schlossplatz

Kerstin Kohlenberg

Er, sie, es ist berühmt, lebt in Berlin, besitzt neunzig Häuser, hat einen eigenen Bus-Shuttle und ist weiblich. Sogar ein eigenes Symbol hat sie. In diesem Jahr ist es die Eule. Denn die Kleine ist nachtaktiv und läd sich gerne einen Haufen Leute in ihre Häuser ein, um Wissenschaft und Weisheit - was haben Sie denn gedacht? - ein bisschen im Gespräch zu halten. Die "Lange Nacht der Museen", geht in die achte Runde.

So, nun aber noch einmal auf Anfang. Stimmt das denn alles so? Berühmt. Nun ja, zur letzten Party in ihre, damals erst fünfzig Häuser (das Mädchen erweitert und erweitert und erweitert) kamen 45 000 Fans, trotz strömenden Regens. Und eine Art Fanclub gibt es auch schon. In München, Hamburg, Dresden und Nürnberg. Überall dort gibt es mittlerweile ebenfalls lange Nächte der Museen. Berühmt: o.k., Häkchen dran.

Sie besitzt neunzig Häuser. Das ist nicht ganz richtig, denn von den 90 Orten, an denen Kunst und Kultur zu sehen ist, sind auch einige Open-Air. Wie zum Beispiel Yoko Onos Kunstprojekt "Freight Train" auf dem Schlossplatz. Ein Eisenbahnwagen voller Einschusslöcher, durch die gleißendes Licht nach außen scheint, steht als Mahnmal für Ungerechtigkeit und Leid und will gleichzeitig Widerstand, Heilung und Hoffnung für die Zukunft zum Ausdruck bringen. Unter freiem Himmel findet auch die Musikperformance um Mitternacht vor dem Pergamonmuseum statt. Und am Haus am Checkpoint Charlie malt Thierry Noir und die kanadische Künstlerin Lisa Brown von 17 bis 19 Uhr mit dem Publikum zusammen ein zwei-mal-drei-Meter großes Wandbild zur Deutsch-Deutschen Einheit. Danach bemalen sie alleine dreißig Teller.

Die meisten Sachen finden aber dennoch in den Museen statt. Im Polizeumuseum lösen echte Polizeibeamte einen unechten Krimi und wer dabei auf dem Geschmack gekommen ist, der kann hinterher mit Experten über die echte Arbeit von echten Polizisten sprechen. Wer lieber noch ein bisschen mehr Kurzkrimis hören möchte, der fährt ins Heimatmuseum Neukölln. Dort ist spanische Nacht und ab 20 Uhr werden dort spanische Krimis vorgelesen.

In der Archenhold-Sternwarte lesen, singen und spielen ein Tenor, ein Pianist und ein Sprecher "Astronomische Meisterwerke". Und zum ersten Mal kann man nun auch Berlins jüngstes Museum in der Nacht besichtigen. Das Vitra Design Museum, das mitten in seinem orangenen 70er Panton-Design gar nicht anders kann, als zusätzlich zu einer Retro-Party einzuladen.

Wer danach noch weiter feiern möchte und nicht so weit laufen mag, der kann sich im Prenzlauer Berg Museum "The Premium Pop Illusion" anhören. 24 Atari begleiten einen Sänger. Das Jazz-Konzert im Sauriersaal des Museums für Naturkunde ist dann wieder etwas Ruhigeres. Ein kostenloser Imbiss in den Arkarden am Potsdamer Platz, ab halb drei Uhr in der früh, hilft den Museumsfans über eine eventuelle Schwächephase hinweg. Die Lange Nacht der Museen besitzt 90 Häuser. Halbes Häkchen. Sie bietet an 90 Orten Kunst und Kultur.

Sie hat einen eigenen Bus-Shuttle. Das ist tiefgestapelt. Sie hat dreizehn verschiedene Shuttles. Für jede Museums-Route einen. Denn immerhin geht zum Beispiel Route drei fast einmal quer durch die ganze Stadt. Vom Schloss Charlottenburg durch den Tiergarten bis zum Dom. Oder Route zehn, die von der Gedenkstätte Berlin Hohenschönhausen über das Deutsch-Russische Museum Berlin-Karlshorst zu den Treptowers führt. Im Eintrittsticket für 20 Mark, ermäßigt 12 Mark, sind die Benutzung der Schuttle-Busse mit enthalten. Doppeltes Häkchen für den Bus-Shuttle.

Die Lange Nacht der Museen ist weiblich. Ja, so will es die Statistik, denn die Mehrzahl der Lange-Nacht-Besucher sind Frauen. Zumindest beim letzten Mal.

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