Berlin : Lappen unten

Bernd Matthies

über raue Schiffersitten vor Raus Dienstsitz Die Binnenschifffahrt gilt als raues Gewerbe. Auf den Kanälen und Flüssen ist es eng, manche Schifferfaust versagt ohne geregelte Zufuhr alkoholischer Getränke ihren Dienst, und für die Männer hinter den Fäusten gilt überwiegend das alte Wort Joschka Fischers: Die sind keine Lämmerschwänzchen. Die Gäste der Berliner Ausflugsschiffe haben sich darauf eingerichtet. Vom Skipper erwarten sie gusseisernen Berliner Humor und granatenhafte Herzlichkeit, egal, was kommt. Kommt beispielsweise die Fahne auf Schloss Bellevue in Sicht, dann sagen die hiesigen Schiffslenker gern einen Spruch auf, wie er nicht im Reiseführer steht. Zum Beispiel den hier: „Ist der Lappen unten, ist der Lump nicht zu Hause.“ Riesige Heiterkeit! Lappen! Der Lump! Bruhaaa!

Drüben bei Raus finden sie das naturgemäß weniger lustig – und haben sich beschwert. Aber wird das nützen? Noch kein Käpt’n dieser Welt hat auf einen schnellen Lacher verzichtet, nur um die Gefühle eines Präsidenten zu schützen. Auch Horst Köhler wird also leiden müssen; Gesine Schwan, andernfalls, wohl nicht. Denn „Lumpin“ – das geht über keine noch so schwere Schifferzunge.

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