Berlin : Latino bei Schmelings

Shakira ist auf Welttournee, gestern sang sie in Berlin. Aber der Schwarzmarkt gab nicht viel her

André Görke

Da endlich, aus den Boxen dröhnt Musik. Es ist Sonntagabend, viertel nach neun: Das Licht ist grell, die Stimme gut zu hören. Shakira betritt in schwarzer Hose die Bühne, ihr Oberteil ist eng, ebenfalls schwarz. „Guten Abend Berlin!“ ruft sie. Die Fans kreischen, jubeln, dann ihr erstes Lied: „Ojos Asi“. Shakiras blonde Haare fliegen durch die Luft.

Wenige Meter von der Bühne stehen Mädchen, die ein bisschen aussehen wie die Dame auf der Bühne. Auch ihre Haare sind gefärbt. Die Hitze ist erdrückend in der Max-Schmeling-Halle. „Das ist feinster Latino–Poprock“, sagt Sonja und tanzt. Ihr Hüftschwung soll dem von Shakira ähneln, sagt sie. Ach nein – „das war ein Scherz.“

Shakira hat in ihrer Karriere sieben Alben herausgebracht und 15 Millionen Platten verkauft. Das brachte ihr drei Grammys ein. Und man wundert sich nicht, wenn die 26-Jährige in Berlin die Suite im „Four Seasons Hotel“ am Gendarmenmarkt bezogen haben soll. Aber viel hat sie nicht davon, denn heute geht’s gleich weiter nach Hamburg. Es ist Shakiras Welttournee, Titel: „Tour of the Moongose“.

Für so einen Star haben die Fans lange angestanden. Kurz vor 19 Uhr war es vor der Halle aber noch ruhig. Die Menschen stehen in Reihen, niemand drängelt, keiner schubst, alle schweigen. Viele junge Mädchen sind mit ihren Vätern nach Prenzlauer Berg gekommen. So ein Konzert dauert schließlich seine Zeit.

Was so toll ist an Shakira? „Ganz einfach: Sie sieht klasse aus und spielt gute Musik“, sagt Sonja, eine 21-Jährige. Sonja hat 56 Euro für die Eintrittskarte bezahlt, sie steht mit ihrer Freundin Alina in der Schlange. Nervös? „Nö, wir haben ’ne halbe Stunde einen Parkplatz gesucht. Ich hatte genug Stress für diesen Abend.“ In einer Seitenstraße schimpfen Anwohner mit Autofahrern, die auf dem Bürgersteig parken. „Fahrt doch U-Bahn“, sagt einer. Der nächste Bahnhof an der Eberswalder Straße ist fünf Minuten entfernt.

Vier Konzerte hat sie in Deutschland gegeben, das in Berlin war schnell ausverkauft. Der Schwarzmarkt? Nun ja, da sah es gestern nicht gut aus. „Zwei Karten. Sagen wir 80 Euro?“ sagt ein junge Frau vor der Halle „Nein? Dann vielleicht 75?“ Eigentlich kosten zwei Tickets 110 Euro.

Viertel vor acht schieben die Herren in den schwarzen Jacken die Gitter zur Seite. Leibesvisitation. „Weißt du, ob ich in der Halle sitzen kann?“ fragt Lena. Die 22-jährige aus Charlottenburg ist mit einer Freundin gekommen. „Ein Geburtstagsgeschenk“, sagt sie. Und: „Ich werde mitsingen. Oder besser: ich werde es versuchen. Ich kenne sie halt aus dem Radio.“ Dann, kurz nach 20 Uhr, sind sie drin. Das Warten hat genervt. Aber es hat sich gelohnt. André Görke

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