Berlin : Lausitzer Spitze

Kulinarisch war diese Brandenburger Region absolutes Niemandsland. Dann aber kam Philipp Liebisch und machte sie interessant. Was der Senkrechtstarter drauf hat, zeigt er in zwei Workshops.

Eine Serie von Susanne Leimstoll[Bernd Matthies],Kai-Uwe Heinrich
Tafeln im Landhaus. Philipp Liebisch erwartet seine Gäste im Restaurant mit Seeblick. Dann geht es richtig los: mit einem ambitionierten Koch-Workshop plus Rahmenprogramm samt Ausflug. Am Ende wird entspannt – bei Dinner und Wellness. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Tafeln im Landhaus. Philipp Liebisch erwartet seine Gäste im Restaurant mit Seeblick. Dann geht es richtig los: mit einem...

Wann hatten wir das mal in den vergangenen zehn Jahren? In Brandenburg? Da taucht einer auf am Herd, den vorher niemand auf dem Zettel hatte – und kocht dermaßen drauflos, dass die wenigen besternten Kollegen im Land gerade noch so mithalten können. Die Rede ist von Philipp Liebisch, und seine Leistung ist umso bemerkenswerter, als er sie in einem Winkel des Landes erbringt, den Feinschmecker nicht einmal dem Namen nach kennen: Die Lausitzer Seen sind für viele Berliner ein Niemands- und bestenfalls Wurstbudenland.

Dabei müssen einfach nur die richtigen Dinge zusammentreffen: Der ehrgeizige Privathotelier Maik Zander, der sich jahrelang vergeblich um einen Top-Koch bemühte und auch nach mehreren Flops nicht nachließ. Und eben der an besten deutschen Adressen, etwa Schloss Wernberg oder dem Adlon fortgebildete Philipp Liebisch, der auch gleich seine Lebensgefährtin Jana Metting als Restaurantleiterin mitbrachte. Gekommen, um zu bleiben – ein Glücksfall. Lohn des ersten Jahres: 16 von 20 Punkten im Gault-Millau, 7 von 10 im „Gusto“, ein Blitzstart im „Sandak“, dem kleinen Gourmetrestaurant im Senftenberger Hotel Seeschlösschen, dem Vorzeigehaus der Region.

Liebisch macht alles richtig. Er kocht erkennbar modern und kontrastreich, ohne aber mit aufgesetzten Effekten zu nerven, er verwendet ungewöhnliche Produkte, die er, soweit möglich, saisonorientiert aus der Region bezieht. Die engstirnige neue Regionalität, die den Köchen im Winter nur noch Pastinaken und Rote Bete vom Bauern nebenan erlaubt, ist nicht sein Ding.

Hier werden stets lustvoll Seefische und Meeresfrüchte aufgetischt, und wenn es irgendwo besseres Lamm gibt als in der Lausitz, dann wird es eben auch von dort bezogen. Das Menü im „Sandak“ hat maximal acht Gänge plus ein paar feine Kleinigkeiten vorneweg, doch niemand muss Überfüllung befürchten, so leicht und maßvoll ist alles gestaltet. Dennoch sind für die Teilnehmer unserer Workshops auf Wunsch auch gemütliche Zimmer freigehalten – denn so schnell sollte niemand die schöne Lausitzer Seenlandschaft wieder verlassen müssen. Und das Wellnessangebot des Hotels ist ja auch noch da . . .

Restaurant Sandak im Hotel Seeschlösschen, Buchwalder Str. 77, Senftenberg. Tel. 03573 3789-0, geöffnet Mittwoch bis Sonntag ab 18 Uhr, Juli/August geschlossen. Menüs 78/109 Euro

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