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Leere Tonnen in Berlin : Ärger um Altglas - "ein umweltpolitischer Skandal"

Vor einem Jahr wurden viele Altglastonnen aus den Höfen abgezogen - jetzt gibt es Ärger. Denn die eingesammelte Glasmenge ist erheblich zurückgegangen. Wo sind die Flaschen gelandet?

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Glastonnen nur noch auf der Straße: Die eingesammelte Glasmenge im betroffenen Gebiet voriges Jahr um 2700 Tonnen zurückgegangen
Glastonnen nur noch auf der Straße: Die eingesammelte Glasmenge im betroffenen Gebiet voriges Jahr um 2700 Tonnen zurückgegangenFoto: dpa

Gut ein Jahr ist es her, dass das Duale System die meisten Altglastonnen aus den Höfen in drei Bezirken abgezogen hat – angeblich deshalb, weil darin ohnehin vor allem Restmüll gelandet sei. Stattdessen sollten die Leute ihr Glas ins nächstgelegene „Iglu“ im Straßenland werfen. Kritiker vermuteten, dass das Duale System mit der Umstellung vor allem seinen eigenen Aufwand minimieren wollte. Jetzt sehen sie ihre Befürchtungen bestätigt.

Wie der Senat auf Anfrage des CDU-Abgeordneten Danny Freymark mitteilte, ist die eingesammelte Glasmenge im betroffenen Gebiet voriges Jahr um 2700 Tonnen zurückgegangen. Das entspricht 19 Prozent. In den anderen drei Berliner Entsorgungsgebieten gab es keine vergleichbaren Veränderungen. Für den SPD-Umweltpolitiker Daniel Buchholz ist der Rückgang in Lichtenberg, Treptow-Köpenick und Marzahn-Hellersdorf „ein umweltpolitischer Skandal“. Die Parlamentsfraktionen würden die Entscheidung des Dualen Systems nicht hinnehmen und die Rückkehr zum alten System fordern.

Unklar ist, wo das Altglas geblieben ist: Die Füllmenge der gelben Wertstofftonnen blieb in der gesamten Stadt etwa konstant, und bei der für die Restmülltonnen zuständigen BSR hieß es: „Bei uns wurden im betroffenen Gebiet keine zusätzlichen Behälter oder Entleerungen bestellt.“ Die Grüne Silke Gebel berichtet, dass ein privater Entsorger einen geringen Teil des Glasgeschäfts übernommen habe. Aber auch sie kritisiert den Abzug der Glastonnen als umweltschädlich. Glas im Restmüll wird im Müllheizkraftwerk mitverbrannt und landet anschließend in der Schlacke, ohne dass dabei nutzbare Energie freiwird wie aus anderen Bestandteilen des Restmülls.

Altglas lässt sich relativ gut recyceln, sofern es farblich halbwegs korrekt sortiert ist. "Fehlwürfe" lassen sich zwar maschinell aussortieren, aber das gelingt nicht immer hundertprozentig, da die Scherben im Glaswerk schon sehr fein zerrieben ankommen. Weißglas ist besonders empfindlich gegen farbige Scherben, aber auch Braunglas verträgt nicht allzu viele andersfarbige Stücke. Grünglas ist nach Auskunft von Experten dagegen relativ unempfindlich.

Lesen Sie mehr im Tagesspiegel (I.): Öhm, einfache Frage - aber was passiert eigentlich mit den Deckeln?

Lesen Sie mehr im Tagesspiegel (II.): Was in den östlichen Bezirken Berlins schon viele empört, erreichte vor einem Jahr auch den Westen: Die Glastonnen im Hof sollen verschwinden, stattdessen Iglus aufgestellt werden. Das Duale System begründet das mit Qualitätsproblemen. Dabei liegen eher finanzielle Gründe als Erklärung nahe.

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Neukölln, Ortsteil Neukölln. Große Güte, was sollen wir denn noch schreiben über Neukölln? Ach, zeigen wir lieber die besten Bilder aus dem hippen/dreckigen/juten, alten Neukölln (je nach Alter und Herkunft).Und stellen zwei knifflige Fragen: In welchem Ortsteil steht das Karstadt am Neuköllner Hermannplatz? Genau, in Kreuzberg (der Bürgersteig ist die Grenze, das überragende Dach gehört zu Neukölln). Und wer sind die beiden Figuren in der Mitte? Das "tanzende Pärchen" steht dort seit den 80ern, erschaffen wurde es von Joachim Schmettau und drehte sich früher sogar mal. Moment: Joachim Schmettau ... Schmettau? Ja, genau, das ist auch der Mann vom markanten Wasserklops am Europa-Center.Weitere Bilder anzeigen
1 von 96Foto: Kitty Kleist-Heinrich
14.01.2016 08:38Neukölln, Ortsteil Neukölln. Große Güte, was sollen wir denn noch schreiben über Neukölln? Ach, zeigen wir lieber die besten...

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