Berlin : Legionellen-Gefahr: Der Kampf gegen die Bakterien wird teuer

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Drei Millionen Mark haben die Berliner Bäderbetriebe für die Untersuchung und Bannung der Legionellen-Gefahr zur Verfügung gestellt. Vor allem das regelmäßige Aufheizen des Brauchwassers auf 70 Grad Celsius, die so genannte thermische Desinfektion, soll die Lungenentzündung erregenden Bakterien abtöten. Außerdem werden die Duschköpfe ausgetauscht. Falls nötig, wird auch das Brauchwasser über Nacht stark gechlort, um den bakterienreichen Belag innerhalb der Rohre zu desinfizieren. Das erklärte der Chef der Bäderbetriebe, Ortwin Scholz, am Donnerstag bei der Bilanz-Pressekonferenz für das Jahr 2000.

Seit im November im Bad am Hüttenweg eine überhöhte Anzahl der Bakterien festgestellt worden war, überprüfen Mitarbeiter des Hygiene-Instituts Ilat alle Bäder. Für wen und wann genau die Legionellen gefährlich sind, darüber informierte gestern auch der Hygiene-Beauftragte des Reinickendorfer Humboldt-Krankenhauses, Klaus Dieter Zastrow: "Legionellen bewirken weder über den Hautkontakt noch beim Runterschlucken eine Ansteckung", betonte Zastrow. "Erst, wenn sie per Aerosol, also Wasser-Luft-Gemisch inhaliert werden, dann gefährden sie unter Umständen die Gesundheit." Wie beim Duschen oder im Whirlpool. Und auch dann kann belastetes Wasser nur Kleinstkindern, alten Menschen oder Schwangeren etwas anhaben. Also Menschen mit einem nicht voll funktionsfähigen Immunsystem.

Bedenklich wird es laut Zastrow zudem erst, "wenn pro Milliliter Wasser mehr als zehn Bakterien nachgewiesen werden". Dieser Wert wurde in vielen bisher getesteten Bädern überschritten: so zum Beispiel im Sportbad Schöneberg und im Bad an der Mecklenburgischen Straße mit 100 Bakterien pro Milliliter. Das zwischenzeitlich geschlossene Sportbad wurde am Donnerstag wieder eröffnet, wie die Stadträtin für Gesundheit, Elisabeth Ziemer, am Nachmittag bekannt gab. Hier habe die thermische Desinfektion voll durchgeschlagen. Die Schwimmhalle an der Mecklenburgischen Straße und das Paracelsus-Bad bleiben weiterhin geschlossen. Bis zum 15. Februar sollen Befunde für alle 84 Berliner Bäder vorliegen. Die Gesundheitsämter entscheiden dann über weitere Schritte. Allerdings ist die Ansicht darüber, wann der Legionellen-Wert gefährlich ist, von Bezirk zu Bezirk unterschiedlich.

Finanziell hat die Legionellen-Problematik die sowieso angeschlagenen Bäderbetriebe noch stärker unter Druck gesetzt: Im Jahr 2000, so Bäderchef Scholz, habe man drei bis fünf Millionen Mark weniger erwirtschaftet als erwartet. Vor allem der schlechte Sommer trug daran die Schuld. Bis Mitte des Jahres will der Vorstand nun einen Konsolidierungsplan zusammenstellen. Eventuell werden unrentable Schwimmhallen dann geschlossen. Auch über die Zusammenarbeit mit privaten Sponsoren wird nachgedacht. Trotz der zusätzlichen Aufwendungen für den Kampf gegen die Legionellen, denkt Scholz aber nicht an eine Erhöhung der Eintrittspreise. Auch einen Besucherrückgang habe man bisher nicht bemerkt. Das könnte sich allerdings bald ändern. In Tempelhof-Schöneberg hat Jugendamtsleiter Henning Till die Kita-Leiter angewiesen, mit den Kindern nicht mehr schwimmen zu gehen. "Die Lage ist mir einfach zu unübersichtlich", meinte Till.

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