Lehrermangel in Berlin : Senat will nur 400 Quereinsteiger für Schulen nehmen

Die Bewerberzahl für die 1800 offenen Lehrerstellen war überwältigend - darunter 3300 Quereinsteiger. Aber von denen werden wohl nur 400 eine Chance haben. Die Pläne, wie diese ausgebildet werden sollen, empören Experten.

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Experimentieren im Klassenzimmer will gelernt sein. Quereinsteiger an Schulen haben eine Menge nachzuholen.
Experimentieren im Klassenzimmer will gelernt sein. Quereinsteiger an Schulen haben eine Menge nachzuholen.Foto: Thilo Rückeis

Angesichts zahlreicher Lehramtsbewerber wird Berlin wohl nur einen kleineren Teil der rund 1800 offenen Stellen zum Sommer mit Quereinsteigern besetzen müssen. Dem Vernehmen nach geht die Bildungsbehörde zurzeit davon aus, dass rund 400 Quereinsteiger reichen. Damit wäre im Schnitt jede zweite Schule betroffen. Beworben hatten sich über 3300 Interessenten ohne Lehramtsausbildung. Im Regelfall sollen sie maximal 19 Stunden unterrichten und parallel ein Referendariat absolvieren. Sofern sie kein Zweitfach vorweisen können, das sich als Schulfach eignet, müssen sie dieses Zweitfach studieren, bevor sie mit dem Referendariat beginnen können.

Dieses Vorhaben wurde am Dienstag von der Gesellschaft für Informatik kritisiert. Sie wie auch Hochschulvertreter fordern, dass die Quereinsteiger von Anfang an pädagogisch-didaktisch qualifiziert werden, um im Unterricht bestehen zu können. Das sei in einem Fach, "das Konzepte auf einem sehr abstrakten Niveau thematisiert, äußerst wichtig". Notfalls müssten sie das Zweitfach erst nach dem Referendariat studieren. Die Bildungsverwaltung betont, dass noch keine Entscheidung über Umfang, Organisation und Dauer der Weiterqualifizierung für Quereinsteiger gefallen sei.

Gefordert wird eine "vorausschauende Einstellungspolitik"

Kritik kam auch vom Verein zur Förderung des mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts. "Ein didaktisch unausgereifter Unterricht in den MINT-Fächern macht diese in Ausbildung und Studium zu wenig nachgefragten Fächer noch weniger attraktiv", schreibt der Verein in einer Stellungnahme vom Dienstag. Gefordert wird eine Überarbeitung des bislang vorliegenden Ausbildungsmodells und eine "vorausschauende Einstellungspolitik." Zudem warnen die Fachvertreter davor, dass die an Berliner Universitäten ausgebildeten Lehramtsanwärter unter Umständen in den nächsten Jahren wieder nicht genügend Stellen in Berlin finden werden und abwandern müssen, wenn jetzt die Lücken in der Lehrerversorgung mit einer hohen Anzahl an Quereinsteigern gefüllt werden. Dies solle das Land Berlin unbedingt verhindern.

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