Berlin : Leicht vermittelbar

Frohes neues Jahr im Tierheim: Die meisten unliebsamen Weihnachtsgeschenke sind wieder unter die Leute gebracht

Constance Frey

Ob Kaninchen von Reptilienhaltern als Futter aus dem Berliner Tierheim geholt werden? Das Gerücht stimmt nicht, sagt Claudia Pfister, Pressesprecherin des Tierheims. „Es gibt ein langes Gespräch zwischen Tierpflegern und neuem Halter. Zwei Tierschutzinspektoren kontrollieren die Tiere dann zu Hause. Das ginge gar nicht.“ Im Büro von Claudia Pfister tummeln sich Bella, Charlotte und Emiliy, eine betagte Pudeldame und zwei französische Bulldoggen. Die bunten Körbchen unter den Schreibtischen verlassen sie sofort, wenn ein neuer Besucher hereinkommt. Bella Bimba, wie sie mit vollem Namen heißt, hat ein rötliches, etwas graumeliertes Fell, denn die Pudelhündin ist schon zwölf Jahre alt. „Ich kann sie überall hin mitnehmen“, sagt Claudia Pfister, „ins Flugzeug, ins Café, sogar bei meinen Bandproben ist sie dabei.“

Dieses Jahr hat das Tierheim die Weihnachtsfeiertage relativ gut überstanden. Zwar wurden wieder unliebsame Weihnachtsgeschenke ausgesetzt, aber sie sind fast alle wieder vermittelt worden. 15 Tiere waren es bis zum zweiten Feiertag, das sind weniger als in den vergangenen Jahren. Einige Nachzügler gibt es freilich noch. Blacky und Kalle haben Katzenschnupfen und müssen mit Antibiotika behandelt werden. Dann können sie das Tierheim verlassen. Die verwahrlosten Perserkatzen landeten Heiligabend am Hausvaterweg. In der Katzenabteilung der Krankenstation riecht es nach Tierfutter. Zusammengekauert sitzt das Katerpärchen in einer roten Plastikkiste und schaut etwas traurig aus. „Wir mussten sie scheren, weil ihr Fell völlig verfilzt war“, erklärt Claudia Pfister.

Nebenan bei den Nagern sitzen gleich links in Sägespäne und Heu die Großchinchillas Fussili und Mader. Die großen Nager kamen zusammen in die Abteilung von Tierpflegerin Pamela Lasner. „Ich möchte sie auch als Paar wieder abgeben“, sagt sie. Nebenan finden es die Widderkaninchen Venus und Monti nicht sehr angenehm, auf den Arm der Pflegerin zu müssen. Vor allem Venus strampelt mit den Hinterpfoten. In ihrem geräumigen Gehege steht ein Topf Mischfutter, am Gitter hängt ein Wasserspender. Die beiden wurden am 27. Dezember gefunden. Woher kommen die Eingebungen für die Namen der Tiere? „Das hängt zum Beispiel davon ab, welchen Film man als letztes gesehen hat“, sagt Claudia Pfister. 9003 Tiere kamen 2003 ins Tierheim, 8973 wurden wieder vermittelt. „Die schwierigsten Fälle sind ältere Tiere oder große Hunde.“ Die vom U-Bahn-Fernsehen „Berliner Fenster“ gesponserte Aktion ist dabei sehr hilfreich. Fotos von schwer vermittelbaren Tieren werden auf acht U-Bahnlinien eine Woche lang jeweils mittwochs und freitags ausgestrahlt. „Die Leute melden sich gezielt auf die Spots.“

Ungewöhnliches gab es 2003 im Tierheim praktisch nicht. „Als die Harry-Potter-Welle anlief, haben wir einige Anrufe bekommen. Die Leute wollten Eulen adoptieren. Aber das sind ja wilde Tiere“, sagt Claudia Pfister. Die einzigen wilden Tiere, die vor den Toren des Tierheims gefunden wurden, waren ein Waran und ein Leguan. „Keine Vogelspinne dieses Mal“, sagt die Sprecherin. Auch der Film „Findet Nemo“ blieb ohne Konsequenzen. „Clownfische leben im Salzwasser. Es gibt sie nicht in normalen Tierhandlungen. Wer einen halten möchte, muss sich ein Salzwasseraquarium zulegen. Das ist ziemlich aufwändig.“ Fische werden nicht ins Tierheim gebracht. „Die landen eher in der Toilette.“

Auf dem gefrorenen Rasen vor den Hundehäusern liegen Hundehaufen. Pflegerin Kerstin Klaus holt eine „Neue“ aus ihrem Käfig. Fräulein Langohr ist eine etwa sechsjährige Bassethündin. Sie ist seit dem 28. Dezember im Heim und eine richtige Attraktion. Bassets sind im Heim selten. Lange wird sie nicht bleiben. Hundetrainerin Simone Mierheim hat schon ein Auge auf sie geworfen. „Die ist Klasse. Das wäre meine Nummer vier.“

Hausvaterweg 39, Falkenberg, Telefon der Tiervermittlung 76888102, weitere Informationen unter www.tierschutz-berlin.de.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben