Berlin : Lepsiusstraße: Zwei Jahre nach dem Gasunglück

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Feierstimmung will nicht so recht aufkommen beim Richtfest für den Neubau in der Lepsiusstraße 57 am Freitag. Die Erinnerung an die Gasexplosion am 4. August vor zwei Jahren, die den Nachkriegsbau mit elf Wohnungen zerstörte, scheint noch frisch. "Da werden Befindlichkeiten berührt," sagt Udo Hethke, Prokurist bei der Präzisa Immobilien GmbH, die im Namen der elf Eigentümer für 3,5 Millionen Mark das neue fünfstöckige Wohnhaus mit 17 Wohnungen errichtet.

Neun Menschen wurden unter 2000 Tonnen zerborstenem Beton begraben, nur zwei von ihnen konnten aus den Trümmern gerettet werden. 14 weitere Bewohner blieben unverletzt, weil sie zum Zeitpunkt der Explosion, die sich um 6.01 Uhr ereignete, nicht zu Hause waren. Einer von ihnen, der 31-jährige Jura-Referendar Peter Brosei, lebte damals wegen eines Studienaufenthalts in Saarbrücken. "Ich erfuhr es zuerst aus dem Radio, dann aus dem Fernsehen," sagt Brosei. "Natürlich war das ein Schock." Als er nach Berlin zurückkehrte, bezog er eine Wohnung in Schöneberg. Nach der Fertigstellung des neuen Hauses zu Weihnachten werde er seine Ein-Zimmer-Wohnung vermieten, weil er mit seiner Freundin zusammen ziehen will.

Viele der Eigentümer, die unversehends zu Bauherren wurden, haben sich noch nicht entschieden. "Sie warten bis zum letzten Moment," sagt Katrin Höbold, Verwalterin bei der Präzisa. Auf Nachfrage will keiner etwas sagen. Der Presserummel noch Monate nach dem größten Gasunglück in der Berliner Geschichte, das je eine Eigentümergemeinschaft heimsuchte, sei mehr als genug gewesen, meint einer der beiden Überlebenden, der sich während der Explosion im Bad befand.

Die Unglücksursache konnte nie ganz geklärt werden. Polizei und Feuerwehr vermuteten, dass ein 13-jähriger, der nach der Explosion tot unter Trümmern gefunden wurde, einen Stutzen aus dem Rohr der im Keller gelegenen Gasleitung entfernt hatte.

50 Stunden lang waren über 400 Rettungskräfte im Einsatz, um die Trümmer vorsichtig per Hand abzutragen und nach Überlebenden zu suchen. Einmalig waren nicht nur die Ausmaße der Gasexplosion. "Einmalig ist auch, dass eine Eigentümergemeinschaft sich zu einer Bauherrengemeinschaft zusammenschließt," sagt Hethke. Im Juli 1999 hatten sich die elf Eigentümer des zerstörten Hauses einstimmig für den Wiederaufbau ausgesprochen. Die Bauarbeiten begannen im Februar 2000. Einen großen Teil der Baukosten zahlte die Feuersozietät, bei der das Haus versichert war. Das neue Gebäude, ausgestattet mit Tiefgarage, Zentralheizung, Innenhof und Spielplatz, habe eine bessere Qualität als das alte, sagt Ulrich Harmuth, Geschäftsführer der Präzisa. Jutta Goerke, deren Zwei-Zimmer-Wohnung zur Zeit des Unglücks äglücklicherweise leer stand, freut sich auf den neuen Komfort. "Von den anderen werden nur wenige wieder einziehen", meint Peter Brosei. Für ihn sei die Lepsiusstraße 57, in gehobener Wohngegend gelegen, nun eine reine Geldanlage. Ob eine Gedenktafel an das Unglück erinnern wird, haben die Eigentümer noch nicht entschieden.

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