Berlin : Lernen statt basteln

Ab 2004 sollen Kitas die Kinder besser auf die Schule vorbereiten

Susanne Vieth-Entus

Unglaublich aufnahmefähig sind Kinder im Vorschulalter, aber zu wenig wird von ihren Anlagen Gebrauch gemacht. Das soll jetzt anders werden: Gestern stellte Jugendsenator Klaus Böger (SPD) ein Bildungsprogramm für Berlins Kitas vor, das jedes einzelne Kind künftig besser fördern soll. Anstatt den Großteil der Kitajahre mit Spielen, Basteln und Buddeln zuzubringen, rückt nun die Entwicklung der Sprache und des mathematisch-naturwissenschaftlichen Verständnisses stärker in den Vordergrund. Gleichzeitig wird die Erzieherausbildung reformiert, so dass die Qualität der Kitas insgesamt steigen dürfte.

„Spätestens seit Pisa ist klar, wie außerordentlich wichtig die vorschulische Bildung ist“, begründete Böger das ehrgeizige Projekt, das die Jugendverwaltung zusammen mit der FU-Wissenschaftlerin Christa Preißing vorantreibt. Zwar laufen zurzeit in ganz Deutschland Kita-Reformen an. In Berlin ist der Handlungsdruck allerdings besonders groß, da der Anteil nichtdeutschsprachiger Kinder höher ist. Längst schaffen es die Kitas nicht mehr, die Kinder mit ausreichenden Sprachkenntnissen an die Schulen abzugeben, da Deutsch nicht mehr überall „Spielsprache“ ist. Deshalb muss in Berlins Kita-Reform besonderes Augenmerk auf die Sprachvermittlung gerichtet werden. Das Bildungsprogramm gibt denn auch ganz konkrete Hilfestellung in diesem Bereich. So sollen die Kinder durch Rollenspiele, sprachliche Rituale bei Tisch und viel Gesang mehr zum Sprechen gebracht werden. Es wird auch empfohlen, überall im Gruppenraum Beschriftungen in mehreren Sprachen anzubringen.

Auch das Verständnis für Zahlen lässt sich buchstäblich nebenbei vertiefen: Es wird dann eben nicht mehr gesagt, „wir brauchen für unser Spiel Stühle“, sondern „wir brauchen vier Stühle, für jedes Kind einen“. Die Erzieherinnen können auch geometrische Formen benennen, können erläutern, wie man teilt und Beispiele dafür bringen, welche große Bedeutung Zahlen im Leben der Kinder haben, etwa durch Geburtsdaten, Telefon- und Hausnummern oder Preisschilder.

Vieles, was im Bildungsprogramm stehe, werde in einigen Kitas schon praktiziert, betonte Christa Preißing. Ab sofort soll es aber darum gehen, dass dies nicht mehr dem Zufall oder einzelnen engagierten Erziehern überlassen wird, sondern dass es zum selbstverständlichen Standard wird. Um dies zu erreichen, wird das Bildungsprogramm jetzt in der Fachöffentlichkeit diskutiert und ab 2004 in allen 2000 Berliner Kitas eingeführt. Und Böger will dafür sorgen, dass die Umsetzung der Reform auch durch die Kitaaufsicht oder auswärtige Fachleute kontrolliert wird.

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