Lesung abgesagt : Zu viel Sex für die Aula

Pimmelparade und feuchte Träume: Ein Jugendbuch ist offenbar zu freizügig für Berliner Schulen. Am Zehlendorfer Schadow-Gymnasium wurde eine Lesung der "Doktorspiele" des Autors Jaromir Konecny abgesagt. Die Schule ist kein Einzelfall.

Florian Ernst

Ein Jugendbuchautor macht Schulen quer durch das Bundesgebiet verrückt: Jaromir Konecny. Mit seinem neuem Buch „Doktorspiele“ ist er gerade auf Lesereise, auch an mehreren Berliner Schulen. Doch von denen sagen immer mehr die Termine ab. So wurde auch die eigentlich für heute geplante Lesung am Schadow-Gymnasium in Zehlendorf kurzfristig gestoppt. Zuvor hatte ein Marburger Gymnasium auf Druck der Eltern die Doktorspiele-Lesung abgesagt und auch mehrere Schulen in Dresden hatten abgelehnt, den Autor vor Schülern lesen zu lassen. Die Lehrer hielten sowohl die Thematik des Buches für problematisch wie auch die Sprache, in der es geschrieben sei, hieß es beim Verlag.

Das im März in der cbt-Jugendbuchreihe erschienene Buch erzählt die Geschichte eines 16-Jährigen, der gerade voll in der Pubertät steckt und deshalb nur eines im Kopf hat – Sex. Das Buch nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Der 16-jährige Protagonist spricht locker von feuchten Träumen, Wettwichsen und einer so genannten Pimmelparade. Dennoch ist der Jugendroman weit von Pornografie entfernt.

„Ganz normale Sachen, die einen Jungen mit 15 oder 16 Jahren beschäftigen“, findet Konecny. Am meisten ärgert ihn, dass die

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Freizeitvergnügen. Jaromir Konecnys Roman "Doktorspiele" ist im cbt-Verlag erschienen, hat 160 Seiten und kostet 12,90 Euro. -Foto: promo

meisten, die jetzt Bedenken zeigen, das Buch nie in die Hand genommen hätten. „Manche Erwachsene, die 40 oder 50 sind, haben wohl vergessen, wie es ihnen ging, als sie selbst 16 waren“, vermutet der 52-jährige Autor, der durch die Poetry-Slam-Szene bekannt wurde. Er habe schon an mehreren Schulen gelesen, und Schüler wie Lehrer seien begeistert gewesen. „Es ist auch ein Stück Aufklärung abseits vom Biologie-Unterricht“.

„Ich will das nicht“, sagte der Rektor des Schadow-Gymnasiums, Harald Mier. Nachdem er mitbekommen hatte, dass in anderen Städten Eltern mit der Lesung Probleme hatten, sagte auch er die Lesung an seiner Schule ab. Er sehe zwar keine Pornografie in dem Buch, dennoch habe es an einer Schule nichts zu suchen. Dazu fehle ihm der literarische Anspruch. „Das gehört in die Freizeit.“

Link zur Homepage des Autors

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