Berlin : Libanesen haben Drogenhandel an der Potsdamer Straße fest im Griff

WERNER SCHMIDT

Polizei setzt Dealer unter Druck / Durch Kunden werden sie immer wieder angelocktVON WERNER SCHMIDT BERLIN.Mit gezielten Schwerpunkteinsätzen hat die Polizei in den vergangenen Wochen den Drogenhandel entlang der Potsdamer Straße in Tiergarten bekämpft.Dabei wurden allein in einer Nacht acht mutmaßliche Dealer festgenommen, die möglicherweise alle zu einer libanesischen Großfamilie gehören.Dieser Familienclan wiederum hat nach Erkenntnissen der Polizei den Drogenhandel an der Potsdamer Straße, die Ende der 70er und noch zu Beginn der 80er Jahre eine Hochburg der Prostitution war, fest im Griff. Mit der Prostitution einher ging schon damals ein reger Rauschmittelhandel.Aber während damals auch Tabletten und Haschisch zum Angebot zwischen Sozialpalast und Lützowstraße gehörten, beschränkt es sich heute auf Kokain und Heroin.Ein Problem der Polizei bei ihren Einsätzen war, daß die Potsdamer Straße durch zwei Polizeidirektionen läuft: Die Kurfürstenstraße bildet die Grenze zwischen den Direktionen 3 (Tiergarten, Mitte) und 4 (Schöneberg, Tempelhof, Steglitz, Zehlendorf). Das nutzten die Drogenhändler aus, indem sie bei Ermittlungen ihren Wirkungsbereich wechselten.Seit März nun arbeiten beide Polizeidirektionen enger zusammen.Rund 20 bis 25 Beamte aus den zuständigen Polizeiabschnitten kümmern sich um den Grenzbereich.Damit sich von den Beamten niemand benachteiligt fühlt und um eine einheitliche Führungsstruktur zu gewährleisten, wechselt monatlich die Führungsgewalt. Rund 15 vorwiegend jugendliche arabischstämmige Dealer sind es, die nach Erkenntnissen der Polizei Drogen an der Potsdamer Straße verkaufen und dabei sogar in Schichten arbeiten.Die Dealer versuchten sogar, sich mit der Polizei anzulegen und die Beamten aus dem Bereich zu drängen.Noch immer kommt es bei Festnahmen zu Auseinandersetzungen zwischen den Dealern und der Polizei, wobei die Nachwuchskriminellen mit Vorliebe ihre Ledergürtel als Schlagwaffe einsetzen. Trotz der ständigen Polizeieinsätze, mit denen der Druck auf die Drogenhändler permanent erhöht wird, sehen die Beamten Andreas Gallup und Detlef Weinmann keine Chance, den Drogenhandel vollständig zu unterbinden.Beide Polizisten gehören zum Sondereinsatzzug (SEZ) der Polizeidirektion 3.Zu den Aufgaben des 25 bis 30 Mann starken SEZ gehört die Kontrolle von Gaststätten und Lokalen, aber auch und besonders die Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität in Tiergarten Süd.Sie kümmern sich um die Hütchenspieler auf dem Alexanderplatz und um Taschendiebe. "Die Drogenhändler kommen immer wieder, solange sie an der Potsdamer Straße ihre Abnehmer finden.Das haben uns Dealer im Gespräch anvertraut", sagte Andreas Gollup."Für sie lohnt es sich immer wieder." Deshalb wird ständig versucht, die Drogenhändler auf frischer Tat zu erwischen und ihnen die Ware abzunehmen.Eine schwierige Aufgabe, denn die Drogen werden in kleinen Mengen im Mund aufbewahrt und im Fall einer Polizeikontrolle einfach hinuntergeschluckt.Oftmals kommt bei den Beamten Bedauern mit den Abhängigen auf: "Das sind die ärmsten Schweine unter der Sonne.Eigentlich müßten wir zu jedem Einsatz einen Arzt mitnehmen, um ihnen gleich helfen zu können", sagte Detlef Weinmann.

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