Berlin : Licht für die Welt

Beleuchtungstechnik aus Berlin ist international gefragt – sogar bei der Nasa

Henning Zander

Nachts, wenn die Wissenschaftler am Nasa-Standort El Paso in den USA nach der Arbeit in ihre Autos steigen, leuchtet ihnen ein Berliner Licht. Die Firma Semperlux aus Marienfelde hat ihren Parkplatz mit Solarleuchten der Sorte „Sonne“ ausgestattet. Während des Tages laden Solarzellen Batterien auf, die in der Nacht die Lampen mit Strom versorgen. Für sonnige Gegenden eine Zukunftstechnik, die auch die Nasa überzeugte. „Im Weltraum sehen wir im Augenblick aber keine Wachstumschancen“, sagt Vorstand Ulrich Misgeld scherzhaft.

Auch in Taipeh scheint Berliner Licht – in 508 Metern Höhe. Die Leuchten der Kreuzberger Firma Sill tauchen das höchste Gebäude der Welt, das „101 Taipeh Financial Center“, in kühl elegantes, blaues Licht. Am kommenden Wochenende werden Sill und Semperlux auf der Light + Building Messe in Frankfurt, einer Leistungsschau der Lichtindustrie, Neuheiten ihrer Produktpalette für gewerbliche Beleuchtungskonzepte präsentieren.

Beide Unternehmen sind international erfolgreich. Doch auch das Berliner Stadtbild haben sie wesentlich geprägt. Sill setzt mit Strahlern die Spiele der Hertha im Olympiastadion ins rechte Licht. Und auch das Brandenburger Tor muss mit Sill-Technik nicht im Schatten stehen. Semperlux wiederum bringt das Kanzleramt zum Leuchten. Skizzen des Architekten Axel Schultes hängen in der Lobby des Unternehmens. Die Lichttechniker von Semperlux haben jeden Strich wörtlich genommen, denn jedes Beleuchtungskonzept ist maßgeschneidert. „Wenn wir einen Auftrag für 800 Leuchten bekommen, dann machen wir alle selber – auch die Einzelanfertigungen“, betont Vorstand Misgeld. Ein aktuelles Projekt der Firma ist die Beleuchtung des neuen Hauptbahnhofs. Dort werden Leuchtstoffröhren in reagenzglasähnlichen Behältern die Gleise beleuchten. Zu hunderten werden sie senkrecht von den Decken der Bahnhofshallen hängen.

Semperlux und Sill sind Mittelständler, viel kleiner als der österreichische Marktführer Zumtobel mit mehreren tausend Beschäftigten und etwa einer Milliarde Euro Umsatz. Dennoch bewähren sie sich in ihrer Nische. Sill beschäftigt in seinem Stammwerk in der Ritterstraße in Kreuzberg 105 Mitarbeiter. Seit 1957 werden hier Beleuchtungskonzepte entwickelt und produziert. Seit Ende der 70er Jahre hat sich das Unternehmen auch im Ausland engagiert. Inzwischen gibt es eine Niederlassung in Großbritannien und zahlreiche Kooperationen weltweit. Semperlux hat einen Umsatz von 67 Millionen Euro und 385 Mitarbeitern weltweit. Zwei Drittel der Belegschaft arbeiten in Deutschland. Berlin ist Hauptsitz und Entwicklungszentrum, schon seit den Anfängen des Unternehmens im Jahr 1948. Während der Blockade Berlins und der Luftbrücke suchten die Bürger nach Stromquellen, die von den überlasteten Stromnetzen unabhängig waren. Damals entwickelte der arbeitslose Hermann Bansbach ein 24-Volt-Batterieaufladegerät und legte damit den Grundstein für das Unternehmen. Der Name Semperlux („Immer Licht“) stammt aus dieser Zeit. Nach der Blockade brach das Geschäft mit den Ladegeräten zusammen. Vater Hermann und Sohn Armin Bansbach verlegten sich deshalb auf den Vertrieb von Kronenleuchten für Neonröhren.

Paul W. Schmits, Leiter der Lichtabteilung bei Semperlux, hegt gegenüber den von der Decke hängenden Leuchtdinosauriern gemischte Gefühle: „In erster Linie ging es um die Halterung für die Röhren. An Design hat man nicht unbedingt gedacht.“ Auch nicht an die „Blendung durch kleine Lichtquellen im äußeren Gesichtsfeld“, Schmits Promotionsthema. Zu viel Licht an der falschen Stelle ist dem Professor, der unter anderem an der Technischen Universität lehrt, ein Graus. Viel besser gefällt ihm da sein Spiegelgoniometer. Mit dem Gerät wird die Leistung von Leuchten getestet und die Fläche bestimmt, die vom Lichtkegel erfasst wird. Für schöneres Licht sorgen auch Schmits Hohllichtleuchten. Das sind lange Röhren, durch die künstliches oder Tageslicht geleitet wird, um Treppenhäuser oder Büroräume zu erhellen.

Die Firma profitiert bei der Entwicklung vom Wissenschaftsstandort Berlin. So besteht eine enge Kooperation mit der Technischen Universität, an der es eines von bundesweit drei Instituten für Lichttechnik gibt. Gesucht wird nach Lösungen, das Innere von Gebäuden mit Tageslicht zu versorgen. So steht ein riesiger Spiegel auf dem Dach des Unternehmens und wirft das Licht auf Linsen, die es bündeln. Über Röhren wird so das Treppenhaus beleuchtet. Mit der Technischen Fachhochschule wiederum forscht Semperlux zu elektronischen Vorschaltgeräten und sparsamer Elektronik. „Die Zusammenarbeit mit den Unis ermöglicht uns eine Forschungsarbeit, die sich sonst nur die ganz großen Unternehmen leisten können“, sagt Lichttechniker Schmits. Auch die Studierenden profitieren: Ein Student, der bei Semperlux seine Diplomarbeit geschrieben hat, wurde gerade als Lichtingenieur übernommen.

Der Standort Berlin und die Fertigung in Deutschland sind für das Unternehmen eine feste Größe. „Das Konzept, eng mit den Projektplanern zusammenzuarbeiten, lässt sich nur verwirklichen, wenn wir mit unserer Produktion auch vor Ort sind“, sagt Vorstand Misgeld. Ein Drittel des Umsatzes macht die Firma in Deutschland.

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