Berlin : Liebe und Leid

Der verfolgte Sexualforscher Magnus Hirschfeld wird mit einer Ausstellung der Charité geehrt

Rita Nikolow

Er war Jude, teilte das Bett mit Männern, und erforschte sexuelle Vorlieben. Deshalb wurden am 10. Mai 1933, dem Tag der Bücherverbrennung durch die Nazis, auf dem Berliner Opernplatz auch die Bücher und die Institutsbibliothek des Sexualwissenschaftlers Magnus Hirschfeld Opfer der Flammen. Magnus Hirschfelds Leben, seinem 1919 gegründeten Institut und der Bücherverbrennung hat das Medizinhistorische Museum der Charité eine Ausstellung gewidmet, die ab heute bis zum 14. September zu sehen ist – „Sex brennt“ ist deren Titel.

Durch zwei Ausstellungsräume zieht sich eine einzige, hundert Meter lange Wand aus Wellpappe, die Nischen bildet für die Sicht verschiedener Künstler auf Hirschfelds Leben und Arbeiten: Der Medienwissenschaftler Arnold Dreyblatt zum Beispiel hat sich in zwei Installationen mit Hirschfelds Hang zu Fragebögen befasst. In seiner Installation „Präferenzen“ blinken auf 30 kleinen Bildschirmen mehr oder weniger intime Fragen auf, die Hirschfeld seinen Patienten stellte: etwa „Lieben Sie einen Körperteil oder einen Gegenstand besonders?“

Die Künstlerinnen Pauline Boudry und Renate Lorenz haben sich mit einer anderen Leidenschaft Hirschfelds befasst: „Er hat schon sehr früh mit Fotos gearbeitet“, sagt Renate Lorenz. In ihrem Film „N.O.Body“ haben die Künstlerinnen die Bartdame Annie Jones, die von 1865 bis 1902 gelebt hat, durch einen Performance-Künstler zu Leben erweckt.

Überdies sind in der Ausstellung einige Exponate zu sehen, etwa Hirschfelds Totenmaske, einige geraubte Bücher oder ein Koffer mit dem Nachlass des Sexualforschers.

Einen Katalog zur Ausstellung gibt es nicht. Doch am Ausgang liegen mehr als hundert kostenlose Postkarten aus, die von Hirschfeld, seinen Forschungen und dem historischen Kontext erzählen. Und davon, dass er sich nicht nur für die Rechte von Homosexuellen einsetzte, sondern auch für die Legalisierung ärztlicher Abtreibungen, vorehelichen Geschlechtsverkehrs und den Gebrauch von Verhütungsmitteln. Rita Nikolow

Die Ausstellung „Sex brennt“ ist dienstags, donnerstags, freitags und sonntags von 10 bis 17 Uhr, mittwochs und sonnabends von 10 bis 19 Uhr im Medizinhistorischen Museum, Charitéplatz 1, zu sehen. Der Eintritt kostet 5, ermäßigt 2,50 Euro.

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