Berlin : Literweise Brennspiritus

48-jährige Arzthelferin soll im Haus des gehbehinderten Vaters Feuer gelegt haben

Kerstin Gehrke

Als die Rettungskräfte kurz nach Mitternacht eintrafen, stand Monika M. an einer Hausecke. „Er hat immer im Bett geraucht“, sagte sie zu einer Polizistin. Aus dem Zimmer ihres Vaters schlugen Flammen. Ihr Lebensgefährte hatte sich das Becken gebrochen, als er sich mit einem Sprung rettete. Für den gehbehinderten Theodor M. aber kam Hilfe zu spät. Der 76-Jährige starb in seinem Bett an Rauchgasvergiftung. Bald stand fest: Es war vorsätzliche Brandstiftung.

Arzthelferin Monika M. muss sich seit gestern vor dem Landgericht verantworten. Ganz in Schwarz gekleidet saß die 48-Jährige auf der Anklagebank. Äußerlich ruhig hörte sie die Vorwürfe. Es geht um heimtückischen, grausamen Mord. Die Tochter soll im September letzten Jahres fünf bis zehn Liter Brennspiritus in der Doppelhaushälfte ihres Vaters im Neuköllner Uhuweg ausgeschüttet und entzündet haben. Aus Habgier, so ist die Staatsanwaltschaft überzeugt. Die Tochter habe als Erbin Versicherungsgelder in Höhe von 220 000 Euro kassieren wollen.

In ersten Vernehmungen hatte die Frau die Tat bestritten. Vor Gericht sagte sie: „Im Moment möchte ich mich noch nicht äußern.“ Konzentriert verfolgte sie dann die Befragung von Zeugen. Auch nach dem Brand soll sie so erstaunlich gefasst gewirkt haben. Eine Polizistin sagte, sie habe die Angeklagte schonend auf die Nachricht vom Tod des Vaters vorbereiten wollen. „Wie soll er da schon rausgekommen sein“, habe die Tochter kurz geantwortet. Aus Sicht der Zeugin machte sich die Angeklagte „mehr Sorgen um ihre Handtasche samt Ausweisen“.

Monika M. – eine eiskalte Person? Die Ärztin des Vaters zeichnete in ihrer Aussage ein anderes Bild: „Sie hat ihren Vater aufopferungsvoll und liebevoll gepflegt.“ Der Rentner sei schwer krank und manchmal schwierig gewesen. „Die Tochter hat nie geschimpft, war immer geduldig“, sagte die Ärztin. Der Vater habe keine Probleme mit seiner Tochter, aber mit ihrem Lebensgefährten gehabt.

Welche Rolle spielte der 36-Jährige? Er hatte in der Nacht viel getrunken, 2,6 Promille stellte man fest. In der Brandnacht sagte Monika M., er sei 20 Minuten nach ihr ins Bett gegangen. Durch ein „Prasseln“ sei sie wach geworden. Ihr Freund soll versucht haben, den Vater zu retten. „Warum ausgerechnet an dem Abend die Tür klemmte, wusste keiner“, sagte eine Beamtin.

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